Wegen Covid: Esprit bangt um Fortbestand des Unternehmens

Der in Hongkong ansässige Bekleidungsanbieter Esprit Holdings Ltd. steckt erneut tief in der Krise. Die im Zuge der dritten Welle der Covid-19-Pandemie verhängten Lockdown-Maßnahmen in Europa könnten „die finanzielle Lage des Konzerns negativ beeinträchtigen“, warnte Esprit am Donnerstag in einer Mitteilung. „Diese Umstände und Unsicherheiten könnten erhebliche Zweifel an den Fähigkeiten der Unternehmensgruppe aufkommen lassen, ihre Geschäftstätigkeit fortzusetzen.“

Obwohl „starke Zuwächse“ im eigenen E-Commerce dazu beitragen könnten, einen Teil der Umsatzeinbußen im stationären Einzelhandel auszugleichen, bleibe der Konzern „vorsichtig“ und beobachte die jüngste Entwicklung der Pandemie, erklärte das Unternehmen. Das Management werde seine Geschäftsstrategie an diese Erkenntnisse anpassen.

Der Bekleidungskonzern hat massive Umbrüche erlebt

Nach den jüngsten Turbulenzen herrscht bei Esprit also weiterhin Unruhe: Im Jahr 2020 hatte der Konzern zum wiederholten Mal ein radikales Sparprogramm umgesetzt, in dessen Rahmen unter anderem etwa die Hälfte der Filialen in Deutschland geschlossen wurde. Sechs deutsche Tochtergesellschaften durchliefen zudem ein Schutzschirmverfahren. Außerdem tauschte Esprit seine Führungsspitze aus: Mit CEO Anders Kristiansen, Finanzchef Johannes Schmidt-Schultes und Chief Operating Officer (COO) Marc Andreas Tschirner verließen in den vergangenen Monaten die wichtigsten Manager das Unternehmen. Kurz vor dem Jahreswechsel hatte der Konzern zudem verkündet, seine Zentrale komplett nach Hongkong zu verlegen.

Gleichzeitig mit den generellen Warnungen veröffentlichte Esprit am Donnerstag auch vorläufige, noch ungeprüfte Zahlen für den Zeitraum vom 1. Juli bis zum 31. Dezember 2020. Dabei handelt es sich um eine Übergangsphase, nachdem der Konzern beschlossen hatte, das Ende seines Geschäftsjahres vom 30. Juni auf den 31. Dezember zu verlegen. Die aktuellen Resultate wurden von den Auswirkungen der Corona-Krise und des Schutzschirmverfahrens der deutschen Tochtergesellschaften geprägt. Demnach belief sich der Verlust in den sechs Berichtsmonaten den vorliegenden Zahlen zufolge auf insgesamt etwa 280 Millionen Hongkong-Dollar (31 Millionen Euro).

Sondereffekte und die Auswirkungen der Schutzschirmverfahren in Deutschland prägen die aktuelle Resultate

Damit schnitt das Unternehmen besser ab als im Ende Juni abgeschlossenen Geschäftsjahr 2019/20, in dem es einen Fehlbetrag in Höhe von 3,99 Milliarden Hongkong-Dollar verbuchen musste. Der Bekleidungsanbieter begründete den niedrigeren Verlust mit dem Wegfall von negativen Sondereffekten, die das Ergebnis im Vorjahr belastet hatten, sowie den Auswirkungen eines Schuldenschnitts, der im Rahmen des Schutzschirmverfahrens mit den Gläubigern vereinbart worden war.

Im Berichtszeitraum musste Esprit allerdings auch einen Umsatzrückgang bislang unbekannten Ausmaßes hinnehmen: In den sechs Monaten verbuchte der Konzern Erlöse in Höhe von lediglich 890 Millionen Hongkong-Dollar (97 Millionen Euro). Im vorigen Geschäftsjahr hatte der Umsatz noch bei 9,87 Milliarden Hongkong-Dollar gelegen. Der Hauptgrund dafür waren allerdings die Schutzschirmverfahren in Deutschland: Die betroffenen Tochtergesellschaften, die zuletzt etwa achtzig Prozent des Konzernumsatzes beisteuerten, waren bis zum Abschluss des Verfahrens Ende November zeitweilig dekonsolidiert.

Foto: Esprit

 

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