Modehändler dürfen wieder öffnen: So liefen die ersten Tage bei Esprit bis Glore

Die ersten Läden von Wien bis Berlin haben wieder geöffnet. Dabei treibt die Modehändler vor allem die Frage um, wie sich Umsätze und Kundenfrequenzen jetzt entwickeln nachdem die Geschäfte vor rund einem Monat wegen Covid-19 schließen mussten. Die Eindrücke von den ersten Tagen der Eröffnung.

Das grüne Ladenkonzept Glore

“Es war fast wie ein normaler Montag bei uns von den Umsätzen her”, sagte Glore-Gründer Bernd Hausmann am Dienstag telefonisch. “Die Leute freuen sich, dass wieder offen ist. Viele haben auch gefragt, ob sie reinkommen dürfen und sind etwas zurückhaltender als sonst.” Seit Montag sind die Geschäfte in Hamburg, Frankfurt, Stuttgart und Heidelberg geöffnet. Die zwei Stores in Bayern sowie in der Schweiz sind noch geschlossen.

Modehändler dürfen wieder öffnen: So liefen die ersten Tage bei Esprit bis Glore
Bild: Glore-Laden

Innerhalb der letzten Tage musste sich Hausmann schnell mit den Hygienevorschriften per Bundesland auseinandersetzen: In Baden-Württemberg muss ein Schutzschild bei der Kasse installiert werden, was in Hessen oder Hamburg nicht notwendig war, und in Bayern gilt sogar Maskenpflicht für die Läden, die wieder öffnen. In allen Läden können die Kunden von Glore Masken bekommen, Desinfektionsmittel gibt es an der Tür, EC-Karten-Geräte und Kleiderbügel werden nach der Benutzung desinfiziert. Am Anfang waren die Laden-Mitarbeiter etwas nervös, wie die Kunden die neuen Umgangsformen annehmen würden, die noch vor zwei Monaten unhöflich erschienen wären. Aber die Kunden hätten alles gut angenommen, erzählt Bernd Hausmann.

“Die große, spannende Frage, die jeden Modehändler umtreibt, ist wie die Umsätze sein werden. Wir waren gestern schon sehr erleichtert, als wir festgestellt haben, dass es erstmal so ist wie normal - weil wir alle Angst hatten, dass kaum jemand in den Laden kommt”, sagt er. Auch in der laufenden Woche bleibt es für ihn spannend, ob sich die Erlöse an sonst umsatzstarken Tagen wie Freitag oder Samstag auf dem Niveau vor den Schließungen einstellen werden. “Wir gehen davon aus, dass es etwas weniger sein wird. Allein vom Ablauf her ist es gar nicht möglich, den Umsatz zu machen. So ein Samstag, wo der Laden komplett voll ist und die Leute Schlange vor den Umkleiden stehen, ist gar nicht machbar, weil nicht so viele Kunden hinein dürfen.”

Wie geht es mit systemischen Fragestellungen der Modebranche weiter, die von der Coronavirus-Pandemie aufgeworfen wurden? Glore hat bis jetzt keine Lieferungen storniert und hat sich auch der grünen Allianz angeschlossen, die den Rhythmus der Modebranche verlangsamen will. Ob es wirklich dazu kommt, kann im Augenblick noch keiner sagen, findet Bernd Hausmann. “Die Situation ist gerade so dynamisch. Man muss es täglich neu bewerten und dann kann man erst Entscheidungen treffen.”

Der nachhaltige Modehändler Glore wurde 2006 gegründet und hat mehr als 35 Mitarbeiter. Mittlerweile gibt es das Konzept an neun Standorten in Deutschland und der Schweiz.

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Bild: Glore-Laden mit Abklebungen am Boden

Modehäuser Kutsam

Im Nachbarland Österreich durften Geschäfte bis einer Größe von 400 Quadratmetern bereits nach Ostern öffnen. Das Modehaus Kutsam hatte daher schon mehr Zeit mit einer Filiale von 300 Quadratmetern im oberösterreichischen Sierning Erfahrungen zu sammeln. “Wir sind jetzt in der zweiten Woche und 50 Prozent unter Plan aufgelaufen”, erzählt Geschäftsführer Johannes Behr-Kutsam. “Normalerweise hätten wir etwa 2500 Euro Umsatz am Tag und aktuell machen wir etwa 1000 bis 1200 Euro Umsatz. Aber wir haben auch nur einen Mitarbeiter drinnen, die anderen sind noch zuhause. Dadurch wird das Ergebnis zumindest nicht schlechter, wenn wir aufsperren.” Auch in Österreich können Unternehmen Kurzarbeit beantragen.

Auch die Öffnungszeiten des Ladens wurden verkürzt. Die Filiale verkauft zudem Gesichtsmasken, die in Österreich verpflichtend getragen werden müssen. “Unter den ersten, die schon bei der Ladeneröffnung an der Tür standen, war auch ein Mann, dem seine Hose im Home-Office gerissen ist”, erzählt Behr-Kutsam. “Dann kamen auch nach und nach die Stammkunden rein, die schon beginnen nach Sommerwaren zu schauen.”

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Bild: Modehaus Kutsam

Die anderen Filialen sind größer als 400 Quadratmeter und noch geschlossen. Aber Johannes Behr-Kutsam rechnet den Entwicklungen in Österreich zufolge damit, dass die anderen vier Läden am 4. Mai wieder öffnen werden und auch erstmal mit weniger Mitarbeitern. “Die Nachfrage wird noch überschaubar sein, weil die Anlässe wegfallen. In Österreich darf man noch keine Freunde treffen, aber einkaufen. Die Situation ist also noch etwas absurd, aber wenn die Restaurants wieder öffnen, wird auch die Nachfrage steigen”, sagt er. “Ich rechne aber bis Jahresende nicht damit, dass wir wieder das Vorjahresniveau erreichen.”

Das Familienunternehmen Modehaus Kutsam wurde 1959 gegründet und betreibt fünf Niederlassungen in Bad Hall, Kirchdorf, Sierning, Schwertberg und St. Valentin. Der österreichische Modehändler beschäftigt insgesamt 65 Mitarbeiter. Das vollständige Interview mit Johannes Behr-Kutsam wird am Freitag veröffentlicht. Bleiben Sie dran.

Modekonzern Esprit

In dieser Woche hat der Modekonzern Esprit rund 50 seiner selbst geführten Stores in Deutschland wieder geöffnet. Filiale für Filiale musste geprüft werden, welcher Store wieder öffnen kann, weil die Regelungen von Region zu Region unterschiedlich sind.

“Wir gehen davon aus, dass die Kundenstimmung geringer sein wird als vor der Krise. Und in der Tat ist der Verkehr in unseren Geschäften gestern und heute geringer als vor der Schließung. Wir werden genau beobachten, wie sich die kommenden Tage und Wochen entwickeln”, schreibt eine Sprecherin von Esprit in einer Email am Dienstag.

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Bild: Esprit Store Düsseldorf

In den vergangenen Tagen hätten die Teams hart daran gearbeitet, die von den verschiedenen Bundesländern geforderten Sicherheitsmaßnahmen umzusetzen. Insgesamt respektieren auch die Kunden die neuen Richtlinien beim Einkaufen. Zu den von Esprit getroffenen Maßnahmen gehören Masken, der verstärkte Einsatz von Reinigungspersonal und Desinfektionsmitteln sowie Schulungen für Mitarbeiter.

“Wir gehen davon aus, dass die Stimmung der Kunden nach Covid-19 anders sein wird, wir freuen uns aber über die Wiedereröffnungen der Stores”, heißt es von Esprit. “Mit unserer 360-Grad-orientierten Kampagne "happy to #reconnect", die wir Anfang Mai starten werden, werden wir die umfassenden Hygienemaßnahmen in unseren Geschäften hervorheben. Wir möchten, dass sich unsere Kunden wohl fühlen, wenn sie nach dieser schwierigen Zeit zum Shoppen in die Geschäfte zurückkehren.”

Esprit wurde 1968 gegründet und beschäftigt etwa 4.900 Mitarbeiter weltweit. Der Modekonzern mit Sitz in Ratingen und Hongkong betreibt 389 Stores und hat rund 4800 Verkaufspunkte in mehr als 40 Ländern. Ende März beantragte Esprit ein Schutzschirmverfahren.

Dieser Beitrag wurde mit Details zu Esprit aktualisiert, die weltweite Mitarbeiterzahl wurde korrigiert.

Bild: David Visnjic / Andolu Agency via AFP

 

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