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Mode

Echtpelz: Etikettenschwindel bleibt oft ungeahndet

Von Simone Preuss

20. Feb. 2020

Seit 2012 gilt eine Verordnung, die unter anderem regelt, dass Kleidung mit Echtpelz-Anteilen entsprechend gekennzeichnet werden muss. Als Mindeststandard muss auf dem Etikett der Hinweis „enthält nichttextile Teile tierischen Ursprungs“ stehen. Wie jüngste Recherchen des MDR-Magazins „Exakt“ ergeben, wird jedoch nur in knapp einem Drittel aller deutschen Bundesländern aktiv kontrolliert, ob die sogenannte Textilkennzeichnungsverordnung eingehalten wird.

Dies fand ein Reporterteam der Sendung heraus, das Testkäufe in Leipzig unternahm: „In mehreren Geschäften wurde Kleidung mit Echtpelz-Anteilen angeboten, obwohl der entsprechende Hinweis fehlte. Immer waren es Mützen mit Bommeln aus Echtpelz. Meist werden dafür Marderhunde, Nerze und Polarfüchse verarbeitet“, fand das Team heraus.

Die Verantwortung liegt bei den Einzelhändlern, die die Ware, die sie verkaufen, richtig etikettieren müssen. Ist sie es nicht, drohen ihnen für diese Ordnungswidrigkeit theoretisch Bußgelder von bis zu 10.000 Euro. In Sachsen beispielsweise wird aber die Einhaltung der Textilkennzeichnung nicht kontrolliert. Nur bei Hinweisen aus der Bevölkerung wird das zuständige Wirtschaftsministerium aktiv. „Maßgeblich ist immer eine Risikobewertung, das heißt die potenzielle Gefährdung der Gesundheit und Sicherheit der Verbraucher und Verbraucherinnen. Danach richtet sich die Priorisierung der Kontrollen“, sagte dieses auf Nachfrage des Magazins.

Nur fünf Bundesländer kontrollieren Textilkennzeichnung aktiv

MDR-Exakt forschte auch in den anderen Bundesländern und fand heraus, dass die Einhaltung der Textilkennzeichnung nur in Bayern, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und im Saarland aktiv kontrolliert wird. In den meisten anderen Bundesländern werden die zuständigen Behörden und Ministerien erst aktiv, wenn es Hinweise gibt, zum Beispiel aus der Bevölkerung.

Die Tierrechtsorganisation Deutsches Tierschutzbüro e.V. hält diese Praxis für skandalös und sagt in einer Stellungnahme laut MDR-Exakt: „Damit kann jeder Händler im Grunde machen, was er will und kann somit davon ausgehen, dass er niemals überprüft wird. Viele Händler machen somit Profite auf Kosten von Millionen Tieren, die für Pelzprodukte leiden und sterben müssen.“

Auch wenn die Tierschutzorganisation PETA gerade ihre 30-jährige Kampagne „Lieber nackt als im Pelz“ beendet hat, zeigt sich, dass Verbraucher - zumindest in Deutschland - noch sehr aufpassen müssen, wenn sie Kleidung, Accessoires oder Schuhe mit Pelzbesatz kaufen. In vielen Fällen könnte es sich um Echtpelz handeln, der nicht als solcher gekennzeichnet ist.

Verbraucher können jedoch aktiv werden und ihren Verdacht der zuständigen Behörde melden, um zu bewirken, dass der entsprechende Einzelhändler die korrekte Etikettierung vornimmt. Warum die Hauptverantwortung nicht bei den Herstellern liegt, ist nicht klar, denn diese sollten Ware gleich mit den entsprechenden Etiketten auszeichnen.

Foto: Quartl / Wikipedia