Galeria: Wie es erneut zum Insolvenzantrag kommen konnte

Am Montag (5. Oktober) hat das Amtsgericht Düsseldorf das vorläufige Insolvenzverfahren für die Warenhauskette Galeria angeordnet und den Rechtsanwalt Frank Kebekus zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt. Kebekus hatte Galeria bereits in den Verfahren 2020 und 2022/23 als Sachwalter begleitet. Die Galeria S.à r.l. & Co. KG hatte am Freitag die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt. Es ist der vierte Insolvenzantrag des Unternehmens seit 2020. Doch wie konnte es erneut so weit kommen?

2020 bis 2023: Zwei Schutzschirmverfahren

Ein Blick zurück zeigt, dass die aktuelle Krise keineswegs aus dem Nichts kommt. Anfang April 2020, nach den coronabedingten Ladenschließungen, flüchtete sich Galeria Karstadt Kaufhof erstmals unter einen Schutzschirm. Im Zuge des Verfahrens wurden rund 40 Filialen geschlossen, etwa 4.000 Stellen abgebaut und mehr als zwei Milliarden Euro an Schulden gestrichen.

Zweieinhalb Jahre später war die Lage erneut so dramatisch, dass der Warenhauskonzern am 31. Oktober 2022 abermals Rettung in einem Schutzschirmverfahren suchte. Ende März 2023 stimmten die Gläubiger:innen dem Insolvenzplan zu, den Sanierungsexperte Arndt Geiwitz gemeinsam mit der Unternehmensführung erarbeitet hatte.

Galeria bekam damit eine weitere Chance, allerdings zu einem hohen Preis. Insgesamt 47 Filialen sollten schließen, mehr als 4.000 Arbeitsplätze wegfallen. Ende Mai 2023 hob das Amtsgericht Essen das Insolvenzverfahren auf. Die Gläubiger:innen hatten zu diesem Zeitpunkt bereits auf mehr als 1,3 Milliarden Euro verzichtet.

2023/24: Signa reißt Galeria mit

Die damals erzielte Ruhe hielt nicht lange. Ende Dezember 2023 kündigten die wichtigsten Immobiliengesellschaften der Signa-Gruppe Insolvenzverfahren an. Die Zukunft von Galeria blieb damit unklar, denn zur Signa Prime gehörten auch 18 Kaufhausimmobilien der Kette. Zudem stand die von Signa zugesagte Sanierungshilfe von 200 Millionen Euro infrage. Von diesem Geld floss am Ende bis auf eine Million Euro Stammkapital nichts. Anfang Januar 2024 stellte Galeria beim Amtsgericht Essen den dritten Insolvenzantrag.

Wenig später lief der Investor:innen-Prozess an. Die Insolvenz der KaDeWe Group Ende Januar änderte aus Sicht von Expert:innen nichts an den Chancen der Galeria-Häuser, da sich Interessierte an Premium- und Warenhäusern nicht automatisch für beides interessieren.

Anfang April 2024 stand fest, wer übernehmen sollte: ein Konsortium aus der US-Investmentgesellschaft NRDC und einer Beteiligungsfirma des Unternehmers Bernd Beetz. Die künftigen Eigentümer wollten mehr als 70 der damals 92 Filialen fortführen. Rund die Hälfte der Belegschaft in der Essener Zentrale musste gehen.

Insolvenzverwalter Stefan Denkhaus reichte Ende April den Sanierungsplan ein und rechnete mit einer einstelligen Quote für die Gläubiger:innen. Die neuen Eigentümer kündigten an, bis zu 100 Millionen Euro zu investieren. Handelsexperte Carsten Kortum von der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Heilbronn schätzte den Investitionsbedarf dagegen auf mehr als eine Milliarde Euro.

Ende Mai stimmten die Gläubiger:innen dem Plan zu. Von Forderungen über 886,1 Millionen Euro sollten höchstens 22,5 Millionen Euro zurückfließen. Kurz darauf wurden sechs weitere Standorte gerettet. Ende Juli hob das Gericht das Insolvenzverfahren auf.

Am 1. August übernahmen NRDC und Beetz die verbliebenen 83 Filialen, zugleich verschwanden Karstadt und Kaufhof aus dem Firmennamen. Die Zentrale zog später von Essen nach Düsseldorf. Unter den neuen Eigentümern wurde der Einkauf neu sortiert. Im September 2024 wurde die Beschaffung dem Marketing zugeschlagen, Edo Beukema gab seinen Posten ab und Alexa Deters übernahm als Chief Commercial Officer (CCO). Im Januar 2025 meldete Beetz, alle 83 Filialen schrieben wieder schwarze Zahlen. Er erwartete einen Jahresumsatz von knapp 2,5 Milliarden Euro und kündigte einen Fünfjahresplan für den Umbau der Häuser an.

Personell blieb es allerdings unruhig. Ende April 2025 wurde Geschäftsführer Olivier van den Bossche freigestellt, seitdem leiten Chief Operating Officer (COO) Tilo Hellenbock und Chief Financial Officer (CFO) Christian Sailer das Unternehmen gemeinsam. Im Juli 2025 verließ Deters Galeria, im August folgte Antonio Negro als Chief Procurement Officer (CPO), und im September übernahm Nico Heinemann den Modeeinkauf. Im Oktober 2025 meldete Galeria, das abgelaufene Geschäftsjahr erstmals seit mehr als zehn Jahren operativ profitabel abgeschlossen zu haben.

2026: Mietrückstände, Notkredit und Transformation

Im März 2026 kündigte Galeria an, die Mietverträge von acht Standorten neu zu verhandeln, und schloss Schließungen nicht aus. Im April klagten mehrere Vermieter:innen über ausbleibende Mietzahlungen, die Geschäftsführung sprach von Liquiditätsschwankungen. Ende Juni folgte eine Kreditlinie von bis zu 160 Millionen Euro, bereitgestellt von der US-Investmentgesellschaft Gordon Brothers und geknüpft an einen auf drei Jahre angelegten Sanierungsplan mit weiteren Schließungen. Fachleute bewerteten die Lage zwiespältig.

Kortum sah vor allem Zeitgewinn, weil ein großer Teil des Geldes bestehende Verpflichtungen bediene. Boris Hedde, Geschäftsführer des Instituts für Handelsforschung (IFH) Köln, sprach nicht von einer Rettung, da eine Kreditlinie kein Geschäftsmodell ersetze. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur (dpa) galten etwa 30 der 83 Häuser als Wackelkandidaten. Im Juli stellte Galeria 33 Warenhäuser auf den Prüfstand und kündigte Verhandlungen mit den Vermieter:innen über Konditionen an.

Parallel sollte die Neuausrichtung greifen. Ende Juli ernannte Galeria Manuel Farrokh von der Beratung Horn & Company zum Chief Transformation Officer. Im September wurde bekannt, dass Negro vorübergehend den Ausbau des Off-Price-Geschäfts verantwortet, das langfristig Umsätze im neunstelligen Euro-Bereich bringen soll. Wenige Tage später kam der Insolvenzantrag.

Die aktuelle Lage

Der Geschäftsbetrieb in den 83 Filialen läuft vorerst weiter, Details zu Insolvenzgeld und möglichen Schließungen sind offen. Der Antrag trifft ein schrumpfendes Segment. Laut dem EHI Retail Institute sank der Nettoumsatz von Galeria von 4,5 Milliarden Euro im Jahr 2019, damals mit 174 Filialen, auf 2 Milliarden Euro im Jahr 2025. Der Marktanteil der Warenhäuser, zu denen das EHI neben Galeria etwa auch Müller und Woolworth zählt, fiel seit 2020 von 4,2 auf 1,2 Prozent.

Silke Zimmer, Bundesfachbereichsleiterin Handel der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, sieht für die rund 12.000 Beschäftigten „eine völlige Ungewissheit“. Sie verweist auf „haarsträubende Managementfehler“ und darauf, dass die Gesellschafter in den vergangenen Jahren nicht nachhaltig investiert hätten.

Miteigentümer Beetz kritisiert dagegen die Geschäftsführung um Hellenbock. Er halte die Insolvenz für vermeidbar, sagte Beetz der „Bild“-Zeitung. Die Transformation hätte aus seiner Sicht konsequenter und schneller umgesetzt werden müssen. Personelle Entscheidungen sollten sich danach richten, wer das größte Vertrauen von Gläubiger:innen, Beschäftigten, Lieferant:innen und Investor:innen genieße.

Aus Sicht von Expert:innen liegen die Ursachen tiefer. Kortum sagte der dpa, die bisherigen Sanierungen hätten die Probleme des Geschäftsmodells nicht gelöst – zu große Flächen, hohe Kosten, ein schwaches Sortimentsprofil. Man könne Schulden streichen, aber „keine Kundennachfrage herbeisanieren“. Eine Fortführung mit deutlich weniger Standorten hält er dennoch für möglich, ein vollständiges Aus für nicht zwangsläufig.

Thomas Roeb von der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg nennt die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit im Modesortiment, das über die Hälfte des Umsatzes ausmacht, als Hauptursache. Jörg Funder von der Hochschule Worms zweifelt, dass überhaupt mehr als 55 zentral geführte Warenhäuser in Deutschland tragfähig sind. Kölns Oberbürgermeister Torsten Burmester fordert ein Konzept, das über kurzfristige Rettungsversprechen hinausgeht. Wie es für Galeria weitergeht, ist offen.

Dieser Beitrag wurde mithilfe von KI erstellt.


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