Gesund und motiviert im Homeoffice - wie schaffen Unternehmen das?

Ohne Zweifel hat die Corona-Krise die Digitalisierung und Flexibilisierung der Arbeit vorangetrieben und große deutsche Konzerne wie die Deutsche Telekom, Deutsche Bank, Zalando und andere haben sich vorgenommen, auch “Nach Corona” die Zahl der Dienstreisen erheblich einzuschränken und stattdessen mehr auf virtuelle Treffen zu setzen. Eine aktuelle Studie des Fraunhofer Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation bestätigte dies: Demnach tendieren fast 90 Prozent der 500 befragten deutschen Unternehmen dazu, Dienstreisen zukünftig zumindest kritischer zu hinterfragen.

Auch das Homeoffice wird bleiben, und wenn es nicht von einem Großteil der Beschäftigten nach der Krise genutzt wird, so werden viele Unternehmen jedoch die Möglichkeiten erwägen, die mobiles Arbeiten bietet. Aber wie sieht es angesichts von Homeoffice und Zoom-Meetings mit der Gesundheit der Mitarbeiter aus? Das Center for Disability and Integration der Universität St. Gallen (CDI-HSG) hat untersucht, welche Auswirkungen dieser Prozess auf Mitarbeitende hat und wie Unternehmen dessen negative Aspekte abmildern können.

Arbeiten von zu Hause ist ein „zweischneidiges Schwert“

Dr. Stephan Böhm, Direktor des CDI-HSG, nennt das Arbeiten von zu Hause ein „zweischneidiges Schwert“ und verweist auf frühere Studien des Centers, die ergaben, dass sich flexiblere Arbeitszeiten und -orte günstig auf die Gesundheit auswirken können: Arbeits- und Privatleben lassen sich besser in Einklang bringen und die Mitarbeitenden empfinden zum Beispiel weniger Stress, haben weniger Schlafprobleme und emotionale Erschöpfung. „Das ist etwas, das sich dann langfristig auch positiv in den Fehlzeiten widerspiegelt“, so Böhm.

Wird die Flexibilisierung jedoch fehlerhaft umgesetzt, können positive Auswirkungen auch wieder zunichte gemacht werden. „Ein ganz wichtiger Aspekt ist da die Abgrenzung von Arbeit und Privatem“, rät Böhm. „Es kommt immer mehr zu einer Vermischung. Ständige Erreichbarkeit spielt da eine Rolle. Ich kann schlechter abschalten, ich hab auch sowas wie Techno-Stress, ich muss mich selber irgendwo immer fit halten, was neue Entwicklungen anbelangt, auch technologischer Natur. Ich habe vielleicht auch Angst, meinen Arbeitsplatz zu verlieren durch Automatisierung und Rationalisierung und das ist eben ein Stressor durch Digitalisierung, der abgefedert werden sollte.“

Arbeit und Privates müssen abgegrenzt werden

Das CDI-HSG empfiehlt, hier einerseits auf der Ebene der einzelnen Mitarbeitenden anzusetzen, jedoch je nach individuellem Typ verschiedene Strategien anzuwenden. Es unterscheidet zwei Typen: den Segmentierer und den Integrierer. Während der Segmentierer streng zwischen Arbeit und Privatem trennt, findet der Integrierer es geradezu bereichernd, diese beiden Bereiche zu verbinden.

Integrierer sollten jedoch darauf achten, in den unterschiedlichen, über den Tag verteilten Rollen und Aufgaben auch präsent zu sein, und der Segmentierer sollte auch im Homeoffice Arbeitszeit und Erreichbarkeit für sich festlegen und klar kommunizieren.

Sind Mitarbeitende Segmentierer oder Integrierer?

„Auf Teamebene ist wichtig, dass klare Regeln bestehen in Bezug auf die Erreichbarkeit, Verfügbarkeit, aber auch in Bezug auf Kommunikationskanäle“, rät Dr. Miriam Baumgärtner vom CDI-HSG. „Und der andere Aspekt ist ebenso das Soziale im Team, dass es durchaus wichtig und sinnvoll ist, dass ein Team sich beispielsweise auch physisch einmal pro Woche vor Ort trifft und ein Team-Meeting hat, weil sonst auch Spannungen oder zwischenmenschliche Konflikte einfach viel schwieriger geregelt werden.“

Allgemein gilt, dass auch für die Zeit nach Corona die positiven Aspekte der Digitalisierung beibehalten und gestärkt werden sollten, damit Mitarbeitende die Möglichkeit haben, Berufliches und Privates besser miteinander zu vereinen.

Ergebniskultur statt Präsenzkultur

„Wichtig ist, dass Unternehmen wegkommen von einer reinen Präsenzkultur und eine Ergebniskultur oder eine Leistungskultur schaffen. Also das jeder einzelne weiß, was von ihm erwartet wird, dass es auch Ziele gibt, die sich jeder einzelne setzt und dass er daran bewertet wird“, fügt Baumgärtner hinzu.

Sie verweist auch darauf, dass Unternehmen einen Stärkefokus haben sollten, also die Stärken jedes einzelnen Mitarbeitenden für das Team und das Unternehmen kennen, und sich von starren Jobbeschreibungen wegbewegen. „Nur dann schafft man es, Mitarbeitende auch nachhaltig motiviert und gesund zu halten“, fasst Baumgärtner zusammen.

Foto: CDI-HSG

 

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