"Interne Schwächen": Esprit meldet hohen Jahresverlust

Unerwartet schlechte Geschäfte im eigenen Einzelhandel haben den Bekleidungskonzern Esprit Holdings Ltd. wieder tief in die roten Zahlen rutschen lassen. Das geht aus den Resultaten für das Geschäftsjahr 2017/18 hervor, die das Unternehmen am Dienstag veröffentlichte. Angesichts der schwachen Zahlen monierte der neue CEO Anders Kristiansen „interne Schwächen“ des Konzerns und kündigte weitere Sanierungsmaßnahmen an.

Im Ende Juni abgeschlossenen Geschäftsjahr erwirtschaftete Esprit einen Umsatz in Höhe von rund 15,4 Milliarden Hongkong-Dollar (1,69 Milliarden Euro). Damit sanken die Erlöse gegenüber dem Vorjahr aufgrund der Kurssteigerung des Euro gegenüber der Berichtswährung lediglich um 3,1 Prozent. Bereinigt um Wechselkursveränderungen schrumpfte der Umsatz allerdings um 11,1 Prozent. Das Unternehmen begründete den deutlichen Rückgang mit der gezielten Reduzierung der Verkaufsflächen, aber auch mit „einem unerwartet schwachen Umsatzergebnis im stationären Handel aufgrund geringerer Kundenfrequenz“.

Die enttäuschende Nachfrage belastete auch das Ergebnis. Trotz einer Verringerung der Betriebskosten ergab sich ein um Sondereffekte bereinigter Verlust vor Zinsen und Steuern (LBIT) in Höhe von 909 Millionen Hongkong-Dollar. Im Vorjahr hatte der bereinigte operative Fehlbetrag lediglich bei 186 Millionen Hongkong-Dollar gelegen. Aufgrund des Umsatzrückgangs mussten aber auch einmalige Rückstellungen und Wertberichtigungen im Volumen von 1,34 Milliarden Hongkong-Dollar vorgenommen werden, die den Konzern tiefer in die Verlustzone drückten. So stieg der ausgewiesene LBIT von 102 Millionen Hongkong-Dollar auf 2,25 Milliarden Hongkong Dollar. Unter dem Strich stand ein Nettoverlust in Höhe von 2,55 Milliarden Hongkong-Dollar (280 Millionen Euro). Im vergangenen Jahr hatte Esprit noch einen Überschuss in Höhe von 67 Millionen Hongkong-Dollar erzielt.

Der neue CEO Anders Kristiansen will "tiefgreifende Veränderungen" vornehmen

Anders Kristiansen, der Jose Manuel Martínez im Juni als CEO abgelöst hatte, fand angesichts der ernüchternden Resultate klare Worte: „Momentan beeinträchtigt uns eine Kombination interner Schwächen. Dazu gehören die hohe Kostenstruktur, die nicht mehr in Relation zu unserem Umsatz steht, zu viele verlustbringende Stores, eine fehlende klare Markenidentität sowie Produkte, die nicht den Erwartungen unserer Kunden entsprechen“, erklärte er.

So steht dem seit Jahren schwächelnden Konzern nun die nächste Sanierungsrunde bevor. Er habe bereits „eine interne Task Force gebildet, die eng mit mir zusammenarbeitet, um detaillierte Informationen über unsere Kunden zu erheben und mögliche strategische Initiativen zu entwickeln“, erklärte Kristiansen. Auf der Basis der so gewonnenen Erkenntnisse sollen dann „konkrete Umsetzungspläne“ erarbeitet werden.

Bereits Kristiansens Vorgänger Martínez hatte radikale Einschnitte und Umbauten vorgenommen. Die brachten den Konzern aber nur zeitweise wieder in die Gewinnzone. Kristiansen sieht zwar „ausgezeichnete Chancen, das wahre Potenzial von Esprit zu erschließen“, betonte aber, dass „tiefgreifende Veränderungen“ notwendig seien, „damit Esprit wieder nachhaltig wachsen und profitabel werden kann“. Vorerst kommt das Unternehmen also nicht zur Ruhe.

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Fotos: Esprit
 

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