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Mercedes Benz Fashion Week Berlin: „Wir freuen uns über alle Brands und Designer“

Von Ole Spötter

15. Jan. 2021

Mode |CEO-INTERVIEW

Am Montag startet die Berlin Fashion Week erstmals komplett digital. Die Hauptveranstaltung, die Mercedes Benz Fashion Week Berlin, findet drei Tage lang statt und überschneidet sich mit der digitalen Mailänder und Pariser Männermodewoche.

Aber auch Berlin versucht sich international aufzustellen und holt unter anderem den Gewinner des 35. Hyeres Festivals Tom van der Borght in die Hauptstadt, der als erster Designer am Montagabend seine Kollektion zeigt. Im Vergleich zum Vorjahr zeigen deutlich weniger Labels, neben dem Belgier präsentieren unter anderem Designer wie Michael Sonntag, Danny Reinke und Kilian Kerner sowie erstmals der Bekleidungsanbieter Marc Cain ihre Kollektionen auf dem Laufsteg.

Alle Schauen der MBFW werden ohne Publikum mit umfassenden Hygienekonzept im Kraftwerk Berlin abgehalten. Die Shows werden online live übertragen. Keine eigene Show in dieser Saison hat Designerin Marina Hoermanseder, die ihre Designs als Teil der Gruppenausstellung des Berliner Salons zeigt, der dieses Jahr zurückkehrt.

FashionUnited führte ein schriftliches Interview mit Nowadays-Geschäftsführer Marcus Kurz, der Agentur hinter der MBFWB, und sprach über das neue Konzept, die ideale Berlin Fashion Week und zukünftige Pläne.

In der ersten Woche des Jahres wurde bekannt, dass der Lockdown in Deutschland verlängert wird und somit auch die Berliner Modewoche betrifft. War das ein Schock für Sie ?

Wir waren in den vergangenen Wochen und Monaten im regelmäßigen Austausch mit den Behörden, Partnern und Designern und haben konstant alle Szenarien in Betracht gezogen. Auf eine rein digitale Übertragung der Fashion Week waren und sind wir sehr gut vorbereitet.

Die Modenschauen werden live aus dem Kraftwerk übertragen. Wie sorgen Sie dafür, dass Models und Mitwirkende geschützt sind?

Unsere erste Priorität ist die Sicherheit und Gesundheit aller Beteiligten unter Berücksichtigung der behördlichen Auflagen. In enger Zusammenarbeit mit den Behörden und Gesundheitsbeauftragten haben wir ein umfassendes Hygienekonzept entwickelt und umgesetzt. Dazu zählen zahlreiche Maßnahmen unter anderem die Einteilung verschiedener Schutzgruppen mit entsprechenden PCR- und Antigen-Tests, ein Mund- und Nasenschutz, Belüftungssysteme, eine spezielle Nachverfolgungssoftware, die Einhaltung von Mindestabständen, sowie ein eigenes Testzentrum, in dem alle Beteiligten vorab getestet werden müssen. Dies soll verhindern, dass die Gesundheit von Modeunternehmen, Designern und Mitarbeitern gefährdet wird.

Was ist neben dem digitalen Konzept die wichtigste Neuheit in dieser Saison?

Der Fokus liegt auch in Zukunft auf High Fashion Labels aus dem deutschsprachigen Raum und der Förderung von Nachwuchstalenten, einem Mix aus Laufstegpräsentationen und Installationskonzepten sowie der Einbeziehung der modeinteressierten Öffentlichkeit. So freuen wir uns über die Rückkehr des Berliner Salons sowie das Format Fashion Open Studios. Darüber hinaus widmen wir uns zukunftsrelevanten Themen wie Nachhaltigkeit, Fashion Technology und Digitalisierung. Auch ist es uns wichtig, Menschen zum gemeinsamen Austausch weiterhin zusammenzubringen.

Berlin will sich als European Capital of Creative Industries positionieren und ein internationales Publikum anziehen. Internationale Anerkennung strebt die Fashion Week nicht erst seit dieser Saison an. Hat Berlin überhaupt die Chance sich aus seinem Trott zu befreien?

Absolut. Die Stadt Berlin ist geprägt von junger, frischer Kreativität, die wir unter anderem im Rahmen der MBFW unterstützen. Wir streben eine eigenständige Positionierung neben den international bestehenden Formaten an, weshalb ein Vergleich mit anderen Städten für uns an der Stelle irrelevant ist.

Highsnobiety arbeitet unter anderem mit deutschen Brands wie GmbH oder Acronym zusammen, die ihre Kollektionen eher international präsentieren. Denken Sie, es ist möglich solche Brands in Zukunft auch für den Schauenkalender zu gewinnen?

Wir freuen uns über alle Brands und Designer, die in Berlin oder im Rahmen der MBFW stattfinden und sehen eine starke Zukunft mit neuen und etablierten deutschen Design-Labels. Unser Fokus liegt darin, den Designern eine Präsenz und Kommunikationsplattform zu geben und Berlin als kreativen Standort weiter zu stärken. Wir konzentrieren uns dabei nicht nur auf die großen Namen, sondern möchten ein möglichst vielseitiges Bild widerspiegeln. Ob renommiert-etabliert, Emerging Talent oder Big Player, Street oder Avantgarde – die MBFW bietet zahlreiche Facetten. In dieser Saison eröffnet beispielsweise der Gewinner des Hyères International Festival of Fashion and Photography Designer Tom van der Borght die MBFW.

Bekommt die Berlin Fashion Week durch die neuen Namen den frischen Wind, den sie braucht?

Die MBFW entwickelt sich stetig weiter. Wir bleiben nie auf der Stelle stehen und das spiegelt sich auch im Programm wider. Wir freuen uns gemeinsamen mit den anderen Initiatoren, wie Highsnobiety, About You und Reference, Berlin weiterzuentwickeln.

Soll durch den Wandel auch eine neue Zielgruppe angesprochen werden?

Natürlich bietet eine digitale Lösung ganz neue Möglichkeiten. Die Öffnung und Bekanntmachung neuer Formate für zielgruppenrelevante Endkonsumenten sehen wir als zeitgemäß und notwendig. Wir konzentrieren uns dabei auch auf die Bedürfnisse der Marken und ihre Zielgruppen, die sich auch ändern und wachsen.

Wird es vielleicht sogar einen anderen Termin geben, um besser in den internationalen Modekalender passen?

Wir begrüßen die Möglichkeit, bei der Wahl eines Termins mit der Stadt Berlin künftig stärker auf Bedürfnisse unserer Labels und den internationalen Schauenkalender eingehen zu können. Was das Datum im Sommer anbelangt, haben wir nun zumindest die Option nicht parallel zu anderen internationalen Fashion Weeks oder der Haute Couture stattzufinden.

Wie würde Ihrer Meinung nach eine ideale Berlin Fashion Week aussehen?

Eine ideale Fashion Week trifft immer den Zeitgeist einer Gesellschaft. Daher kann man schwer sagen, wie die ideale Version in der Zukunft aussieht. Wir sind immer offen, uns mit dem Zeitgeschehen auseinanderzusetzen und diese in Präsentationen und Inszenierungen auch in weiteren Bereichen der Creative Industries wie zum Beispiel Kunst, Musik und Film zu übertragen.

Foto: Marcus Kurz by Ralph Mecke