Charles Vögele: Eine Institution verschwindet

Lange waren die Filialen des Bekleidungshändlers Charles Vögele aus vielen Einkaufsmeilen Mitteleuropas nicht wegzudenken – nun verschwindet der traditionsreiche Name Schritt für Schritt. Im vergangenen Jahr wurde das Unternehmen aus dem schweizerischen Pfäffikon von einem italienischen Konsortium unter Führung des Handelskonzerns OVS übernommen. Der plant, bis Ende des Jahres alle Filialen in der Schweiz in eigene Filialen umzuwandeln. So wird die Marke Charles Vögele in der Heimat nach mehr als sechzig Jahren aus dem Straßenbild getilgt. Am 20. September verlässt das Unternehmen auch die Börse. Allen verbliebenen Kleinaktionären zahlt Sempione eine Abfindung für ihre noch ausstehenden Papiere.

Gegründet wurde das Unternehmen 1955 in Zürich. Seinerzeit eröffneten Agnes und Charles Vögele ihren ersten Laden. In den folgenden Jahrzehnten wuchs der Modehändler in der Heimat und schließlich auch im Ausland. Vor einigen Jahren rutschte er allerdings in die Krise. 2012 trat Markus Voegeli als CEO an, um die Firma zu sanieren. Unter seiner Führung schaffte der Konzern zwar den zwischenzeitlichen Turnaround, 2015 setzte der sogenannte „Frankenschock“ dem Aufschwung aber ein abruptes Ende. Im folgenden Jahr blieb angesichts hoher Verluste letztlich nur der Verkauf. Charles Vögele ging an das italienische Konsortium Sempione Retail, das der italienische Handelskonzern OVS zusammen mit zwei Investoren gebildet hatte.

Die Integration der meisten Filialen in das Netzwerk von OVS ist in vollem Gange

OVS legte keinen großen Wert auf die alteingesessene Marke, sondern nur auf die Infrastruktur. Die Läden von Charles Vögele in der Schweiz werden nun bis Ende des Jahres vollständig in OVS-Filialen umfirmiert. In Slowenien ist diese Umbenennung bereits vollzogen, in Österreich soll sie im kommenden Jahr vonstatten gehen. So bleibt der Name Charles Vögele vorerst nur in Deutschland und Ungarn erhalten. Einige regionale Töchter traf es noch schlechter: Sie wurden nach der Übernahme durch Sempione Retail in die Insolvenz geschickt. In dieser Woche hat nun auch Markus Voegeli, der angetreten war, um das Unternehmen zu retten, aber letztlich doch nur die Verkaufskonditionen aushandeln konnte, seinen Abschied verkündet. So manifestiert sich der Niedergang des Unternehmens künftig auch in der Führungsetage.

Foto: Charles Vögele
 

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