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Mode |INTERVIEW

Maisonnoée: „Die Einkäufer wollten nur noch auf Kommission kaufen"

Von Barbara Russ

19. Mai 2021

Maisonnoée ist eine Modemarke aus Berlin, die 2013 von der Designerin Sophie Oemus gegründet wurde. Das Label definiert sich durch „die Verschmelzung von Handwerkskunst und Liebe zum Detail“, wie sie selbst sagt, und arbeitet ausschließlich mit hochwertigen Materialien, die in Berlin entworfen und in Europa hergestellt und verarbeitet werden.

Das Label ist unter anderem bei Lodenfrey und Oberpollinger in München, in Berlin im KaDeWe, bei Viktoientje in den Niederlanden und online auf der eigenen Website erhältlich. FashionUnited sprach via E-mail mit Sophie Oemus über das vergangene Corona-Jahr und die Herausforderungen für ihr Label.

Frau Oemus, wie stark hat Sie die Coronakrise getroffen?

In der Anfangszeit war es noch nicht so schlimm. Wir haben schnell reagiert und uns, wie viele andere Designer auch, auf das Designen, Produzieren und Verkaufen von Schutzmasken fokussiert. Dadurch konnten wir zum Glück unsere Kosten tragen. Das Angebot von Masken stieg jedoch rapide, später kam dann die Tragepflicht der FFP-2 Masken und unser Verkauf ging dadurch zurück. Schwer getroffen hat uns das Ausbleiben von Events. Kundenevents sind für uns extrem wichtig im Direktverkauf.

Haben Sie staatliche Hilfen erhalten oder in Anspruch genommen?

Ja, jedoch ging das nicht so schnell und kostendeckend war es leider auch nicht.

Wurde die Krise von staatlicher Seite für Unternehmen gut gemanagt? Was hätte man besser machen können?

Die ständig neuen Richtlinien für den Kundenkontakt machen den Einzelhandel einfach nur kaputt. Gefühlt fast jede Woche gab es neue Auflagen, Kunden sahen auch nicht mehr durch und am Ende ist einfach keiner mehr einkaufen gegangen.

Bezüglich Überbrückungsgeld wurde es einfach zu kompliziert. Man konnte Anträge nur noch über Steuerberater oder Anwälte stellen. Die Bürokratie war wahnsinnig umfangreich. Die Unterstützung für Kurzarbeit lief hingegen einfacher.

Wie haben Sie in den letzten Monaten Einkäufer (bzw. Konsumenten) getroffen?

Unsere Stammkunden konnten über Videocall mit uns durch die Boutique spazieren und auswählen. Daraufhin haben wir eine Auswahl zum Anprobieren für zu Hause an die Kunden versendet. Manche Kunden, welche uns schon lange Zeit treu sind, haben uns auch einfach Pakete zusammenstellen lassen. Neukunden jedoch konnten in dieser Zeit nicht akquiriert werden.

Wie haben Sie Ihre neue Kollektion präsentiert?

Wir haben keine neue Kollektion kreiert, uns auf unsere Signature Pieces konzentriert und ein Best Of zusammengestellt. Präsentiert wurde diese nicht wirklich. Wir haben lediglich Newsletter versendet und die Produkte über Social Media kommuniziert.

Haben die Einkäufer anders eingekauft als sonst?

Absolut. Viele wollten nur noch auf Kommission einkaufen.

Haben Sie das akzeptiert und wie erging es Ihnen damit?

Wir haben mit einigen Einkäufern Einigungen für die Zeit nach Corona getroffen. Leider konnten wir das volle Risiko nicht bei allen eingehen und mussten einigen leider absagen.

Haben Sie in den letzten Monaten einen Trend erkennen können, oder auf andere Produkte gesetzt?

Natürlich haben wir keine Abendkleider mehr verkauft. Elegante Kleidung an sich war nachvollziehbar nicht mehr gefragt. Plötzlich wurden mehr Sportswear, Hoodies, Shirts, einfach „Easy to Wear“-Produkte bestellt. Dem mussten wir uns natürlich auch anpassen.

Wie hat sich der Anteil stationärer Verkäufe zu online verändert?

Kommt darauf an, über welche Phase und welches Segment wir sprechen. Wenn es um den Einzelhandel geht, erübrigt sich die Frage, da wir sowieso kaum öffnen durften. Ich denke jedoch, dass wenn wir das alles irgendwann überstanden haben, Kunden wieder das Einkaufen und Bummeln direkt in den Boutiquen bevorzugen. Es geht ja um das Erlebnis an sich und nicht nur darum, Dinge in den Warenkorb zu legen.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Ich freue mich auf eine Rückkehr zur Normalität.

Bilder: Maisonnoée