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“Smart ist das neue cool” und drei andere Trends für SS23

Von Katrien Huysentruyt

13. Dez. 2021

Mode

Foto: Dior Men Summer22 ©Brett Lloyd

Von konstruktivem Positivismus bis hin zu kühlem Realismus: Diese Lifestyle-Trends stellte Hilde Francq während ihres Farbtrendseminar in Antwerpen für den Sommer 2023 vor.

Hilde Francq stellt in ihrem Trendbericht vier Lifestyle-Trends in ihren gesellschaftlichen Kontext. Jeder Trend wird von spezifischen Farbpaletten, Materialien und Texturen begleitet. Diese Vorhersagen berücksichtigen natürlich auch die Auswirkungen der Pandemie. Sind wir darauf gefasst, wieder von schlechten Nachrichten überrascht zu werden? Oder blicken wir positiv in die Zukunft? Und wie drückt sich diese Polarisierung in Lifestyle-Trends und damit in der Mode des Sommers 2023 aus?

Die vier Trends, die Francq anspricht, folgen unserem Bedürfnis, von nun an alles anders zu machen: „Immer mehr Menschen entscheiden sich für eine positive Einstellung, die dem harten Realismus einer anderen großen Gruppe (und eines Trends) diametral entgegengesetzt ist. Die anderen Menschen weigern sich, die Welt in einem besseren Licht zu sehen und entscheiden sich für das schlimmste Szenario: Von nun an kann es in dieser Welt nur noch bergab gehen. Zwischen diesen beiden Polen gibt es eine Grauzone mit zwei Trends, die sich auf das konzentrieren, was in unseren Händen liegt. Sie bilden eine Gegenbewegung zur weitreichenden Digitalisierung unserer Gesellschaft, die durch die Corona-Krise beschleunigt wurde. Zunächst einmal suchen die Menschen nach zusätzlichem Wissen, mit dem sie die Welt voranbringen können. Außerdem konzentrieren wir uns weiterhin auf uns selbst, auf unsere eigenen Bedürfnisse. Wir suchen nach befriedigenden, taktilen Erfahrungen, die unser Leben auf eine höhere Ebene heben", sagt die Trendbeobachterin.

Positive Einstellung

Der erste von Francq entdeckte Trend ist vom Positivismus geprägt: „Wir werfen einen hoffnungsvollen Blick in die Zukunft, auch wenn sie vielleicht nicht so schön und bunt ist, wie wir es uns wünschen. Die Befürworter:innen sind der Meinung, dass wir dringende Probleme nicht durch Jammern und Klagen lösen. Sie schaffen eine Märchenwelt, in der alles möglich ist, aber die wirklichen Probleme nicht verschwiegen werden. Es gibt auch Raum für Humor. Die Menschen wollen die Zeit, die ihnen auf diesem Planeten noch bleibt, so angenehm wie möglich verbringen. Ihre Welt ist optimistisch, bunt, aufgeschlossen und integrativ. Es ist sicherlich keine utopische, unrealistische Vision, aber ihre Welt sieht besser aus. Ein Beispiel für diesen Trend ist die farbenfrohe Kollektion von der hundertjährigen Iris Apfel für H&M im Jahr 2022. Auch Dior spielt SS22 mit diesem Thema und lässt seine männlichen Models in einer märchenhaften Welt in Outfits mit der gleichen verträumten Ausstrahlung herumlaufen. Der Kurzfilm, den Balenciaga mit den Simpsons gedreht hat, zeigt hingegen, dass Luxuslabels sehr wohl wissen, dass Selbstinszenierung und Humor funktionieren.

Iris Apfel x H&M. Bild: H&M

Grundwissen

Mit "Smart is the new cool anno 2023" prognostiziert Francq einen zweiten Trend. „Wir konnten nicht reisen, stattdessen haben wir angefangen, neue Dinge zu lernen. Schulungsfilme hatten während der Pandemie Hochkonjunktur und sind immer noch nicht aus der Mode gekommen. Je besser wir die Produktionsprozesse verstehen, desto intelligenter können wir eingreifen und nachhaltige Lösungen finden. Die Darstellung des kreativen Prozesses liegt daher seit einigen Saisons im Trend. Es geht nicht um Heimwerken, sondern um die Wertschätzung von Handwerkskunst. Das hat auch eine intellektuelle Seite. Dieser Trend ist eine Gegenreaktion auf die technologischen Innovationen, die alles einfacher und schneller machen, uns aber auch dümmer werden lassen. Menschen, die kompetent über ihr Handwerk sprechen können, werden zu den neuen Prominenten". Die Textildrucke mit Klimastatistiken des niederländischen Designstudios Raw Color sind Ausdruck eines solchen Trends in der Mode. Auch der "Sweat yourself shop" von Freitag greift diesen Trend auf: Wer sich seine Tasche aus Planen selbst zusammenstellt, bekommt eine emotionalere und nachhaltigere Bindung zu ihr. Der Schwerpunkt liegt auf der Funktionalität. Aber auch die Arbeitskleidung und der Uniformstil werden immer wichtiger, Schnallen und Gürtel bekommen eine tragende Rolle. Neue Materialien wie Bananatex passen ebenfalls in diesen Trend.

Der Text wird unter dem Video fortgeführt.

Video: Sweat yourself shop van Freitag

Taktile Erfahrungen

Je steriler und digitaler unsere Lebenswelt wird, destos mehr gehen wir auf die Suche nach befriedigenden Materialien und Texturen. „Taktilität ist entscheidend. Es wird ein Lebensstil für sich”, beschreibt Franq den dritten Trend. Wir wollen physische Erfahrungen, nicht mehr draußen (wegen Corona) aber umso mehr bei uns Zuhause. „Befriedigende Erfahrungen bringen geistige Ruhe”, erklärt Francq. „Wir fühlen Verbundenheit zu Materialien und Texturen, es ist eine Bewegung, die weg von dem Digitalen führt. Form und Eleganz sind dem Komfort untergestellt.” Dieser Trend zeigt sich insbesondere bei der Gen Z, die ASMR (Autonomous Sensory Meridian Response)-Videos auf TikTok und YouTube teilt. (Instagram ist passé) Materialen und Texturen sind extra dick, gefüllt, wattiert und flauschig. Auch komfortabler Strick nimmt einen wichtigen Platz ein. Es wird auch mit der aufheiternden Kraft von Farbe gespielt. Das Taktile spielt beispielsweise eine große bei dem Video von Prada für SS22, worin die Sinneseindrücke von Wasser und Strand zentral sind.

Der Text wird unter dem Video fortgeführt.

Video: SRM Dinner Party, ein Beispiel für Videos, die auf Tiktok zu ASMR geteilt werden.

Harte Realität

Innerhalb dieses vierten Trends schauen Menschen auf die Realität, vor allem auf das Schlimmste, sodass wir nicht mehr von schlechten Nachrichten überrascht werden können. „Wir blicken kühl und mit Abstand auf die Welt, mit beiden Füßen auf dem Boden, das steht im Kontrast zu den übertrieben schönen Bildern auf den Sozialen Medien”, erklärt Francq. Der Stil ist minimalistisch und futuristisch, wie die Entwürfe von Rick Owens. Bei diesem Trend kommen auch Spiegel zum Einsatz: Sie kreieren eine eisige Atmosphäre und reflektieren die Realität. So eröffnete Burberry Mitte November in Korea ‘The Imagined Landscape Experience’ – einen gigantischen Spiegelpalast. Bei Materialien und Texturen werden oft Metallics, Aluminium oder glänzenden Effekte ausgewählt. Auch dunklere, weniger für Instagram geeignete Töne haben ein Comeback. Dass sich Bottega Veneta im Frühling aus den Sozialen Medien zurückzog – als Reaktion auf das homogene Bild der Mode, das dort erschaffen wird – passt zu der Anti-Instragram-Einstellung des harten Realismus.

Bild: Rick Owens SS22 © Catwalkpictures.com
Bild: Burberry

Diese vier Trends werden sich in den Materialien, Texturen, Farbpaletten und Farbpaletten für SS23 widerspiegeln.

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Dieser übersetzte Beitrag erschien zuvor auf FashionUnited.be.