Verpackungsregeln, Secondhand-Boom und Strategiewechsel im Luxussegment – was die Woche bewegte
Die EU-Verpackungsverordnung gilt, doch statt Klarheit herrscht in weiten Teilen des Handels Verunsicherung. Deutlich besser lief es für Birkenstock, während Mister Spex weiter mit rückläufigen Erlösen kämpft und die Finanzchefs der Branche für dieses Jahr keine Wende mehr erwarten.
Gebrauchte Kleidung zu kaufen, ist inzwischen in allen Generationen zur Selbstverständlichkeit geworden, während die großen Modeketten den Markt bislang nur zurückhaltend bespielen. Im Luxussegment wiederum mehren sich die Anzeichen, dass nicht mehr Preiserhöhungen, sondern das Produkt selbst das Wachstum tragen. Dazu kamen neue Eigenmarken und Kollaborationen sowie eine Reihe von Personalwechseln.
Business
Seit Mittwoch gelten die wesentlichen Vorschriften der europäischen Verpackungsverordnung und der Handel geht mit erheblichen Vorbehalten in die neue Rechtslage. Einen Tag vor dem Anwendungsbeginn hatten mehrere Wirtschaftsverbände Rechtsunsicherheit beklagt. Der BEVH forderte ein Moratorium, Südwesttextil warnte vor neuen Pflichten für Etiketten und Kleiderbügel, einzelne kleine Labels stellten den Versand in andere EU-Länder ein. Der Handelsverband Deutschland fürchtet darüber hinaus ein Durcheinander im Binnenmarkt, weil Unternehmen sich künftig in jedem Mitgliedstaat einzeln registrieren und Bevollmächtigte benennen müssen.
Bei den Geschäftszahlen setzte On das stärkste Zeichen. Der Schweizer Sportartikelanbieter steigerte den Quartalsumsatz zweistellig, kehrte in die Gewinnzone zurück und hob die Erwartung an die Bruttomarge an, getragen vom Direktvertrieb. Birkenstock hob nach einem starken dritten Quartal ebenfalls die Prognose an, Zölle und Währungseffekte drückten allerdings die Bruttomarge. Weniger erfreulich verlief das Halbjahr für Mister Spex. Der Berliner Brillenhändler verbesserte zwar das bereinigte EBITDA deutlich, Umsatz und Ergebnis entwickelten sich jedoch rückläufig, während das Filialgeschäft gegen den schwachen Onlinemarkt zulegte.
Dass die Schwächephase kein vorübergehendes Tief ist, legt eine Erhebung von Roland Berger nahe. Befragt wurden Finanzchefs von mehr als 30 Mode- und Lifestyle-Unternehmen aus der DACH-Region, die überwiegend keine wesentliche Umsatzerholung mehr für dieses Jahr erwarten und zunehmend auch das Premium- und Luxussegment unter Druck sehen. Besonders deutlich zeigt sich das im Schuhmarkt, wo sinkende Umsätze, steigende Preise und rückläufige Importe zusammentreffen. Zusätzlichen Druck auf die Kaufkraft macht die Inflation, die im Juli nach dem Auslaufen des Tankrabatts wieder anzog.
Im Luxussegment deutet sich unterdessen ein Kurswechsel an. Nach zwei Jahren der Verlangsamung verzeichnete Chanel im ersten Halbjahr Berichten zufolge ein kräftiges flächenbereinigtes Wachstum, getragen von den ersten Kollektionen Matthieu Blazys. Gemeinsam mit den Entwicklungen bei Miu Miu und Burberry wirft das die Frage auf, ob nach Jahren der Preiserhöhungen wieder das Produkt selbst zum wichtigsten Wachstumstreiber wird.
Ein weiteres Wachstumsfeld entsteht abseits der Neuware. Der Secondhand-Markt hat inzwischen ein Volumen erreicht, das den Luxusmarkt für neue Bekleidung und Schuhe übertrifft, gemessen am gesamten Markt für Neuware entspricht das allerdings erst rund einem Fünfzehntel. Getragen wird das Wachstum längst von allen Generationen. Große Ketten von H&M bis Zara greifen den Trend zwar auf, bislang aber eher zurückhaltend – was die Frage aufwirft, ob der etablierte Modehandel den Wandel verschläft.
Expansion bleibt trotz des schwierigen Umfelds ein Thema. Die US-Heritage-Marke G.H.Bass baut ihr Geschäft in Deutschland aus, wo sich der Umsatz im Jubiläumsjahr nahezu verdoppelte und das Wholesale-Geschäft mit Partnern wie Breuninger und BSTN wächst. Die schwedische Schmuckmarke Mockberg nimmt ebenfalls die DACH-Region ins Visier, richtet den Vertrieb unter Alisa Ernst neu aus und eröffnet im September einen ersten Flagship-Store in Berlin-Mitte.
Einen Blick auf die Standortfrage im Modekalender erlaubt das Jubiläum der Copenhagen Fashion Week. Seit 20 Jahren behauptet sie sich neben Mailand und Paris, während andere skandinavische Formate ihre Positionierung mehrfach neu bewerten mussten. Das „Cool Girl"-Image erwies sich dabei als tragfähiges Markenzeichen.
Zum Abschluss ein Gespräch über einen Neustart. Dieter Holzer, Geschäftsführer und Gesellschafter von Closed, sprach während der Düsseldorf Fashion Days über die Zeit nach der Insolvenz, das Vertrauen des Handels und die internationale Weiterentwicklung des Hamburger Denimlabels. Sein Ansatz setzt auf Kontinuität statt auf einen Bruch mit der Markengeschichte.
Mode
Für die Verkaufsflächen der kommenden Monate gibt ein Überblick zu den Trends für Herbst/Winter 2026 Orientierung, von Volumen und Textur über kuschelige Materialien bis zu den Silhouetten, die den Nachbestellbedarf prägen dürften. Ein Blick weiter nach vorn zeigt, dass sich in der Herrenmode für Frühjahr/Sommer 2027 der Denim-Look von Kopf bis Fuß hält. Bei Prada, Sacai und Saul Nash wurde Double Denim so kombiniert, dass Jacke und Jeans als Set und nicht als Einzelteile verkauft werden können.
Wie sich die Nachfrage im Wiederverkauf verschiebt, zeigt der Halbjahresbericht von StockX. Saucony löste Asics als am schnellsten wachsende Sneaker-Marke der Plattform ab und beendete damit eine zweijährige Serie des Konkurrenten. Supreme und Jordan meldeten sich mit deutlichen Zuwächsen zurück, angetrieben von Retro-Silhouetten und einer starken Fußballsaison.
Auf Sichtbarkeit jenseits der Kollektion setzen zwei Kollaborationen mit deutschen Autobauern. Louis Vuitton und Kith stellten in derselben Woche Luxusautos vor, die weniger als Designstudie und mehr als umfassendes Markenerlebnis angelegt sind. Bei Louis Vuitton entwarf Nicolas Ghesquière zwei von Singer neu interpretierte Porsche 911.
Im Eigenmarkengeschäft geht Peek & Cloppenburg Düsseldorf den nächsten Schritt. Ab dem 7. September startet mit Myon eine Womenswear-Marke im Contemporary-Segment, die im neuen Creative Hub in Madrid entstanden ist und sich an modebewusste Frauen ab 30 Jahren richtet. Statt am klassischen Saisonrhythmus orientiert sich das Konzept an regelmäßigen Produkt-Drops.
Ob die zugehörige Werbung ihre Zielgruppe erreicht, ist allerdings keine Selbstverständlichkeit. Eine Studie von Simon-Kucher und Appinio zu Werbepräferenzen zeigt, dass sich Kund:innen unter 35 Jahren vor allem über Instagram und TikTok informieren, während das gedruckte Prospekt bei der älteren Kundschaft weiterhin einen wichtigen Kanal darstellt.
Personalien
Im Vertrieb gab es gleich mehrere Wechsel. Julian Dangel übernimmt bei Luisa Cerano die Rolle des Sales Directors. Er kommt vom Menswear-Spezialisten Strellson, wo er zuletzt den Vertrieb für die DACH- und Benelux-Region verantwortete. Bei Puma steuert Carlo Alberto Cingolani künftig als Global Director den Bereich Commercial Go-To-Market, nach mehr als elf Jahren bei Zalando. Galeria berief Luis Paulo Lopes zum Director Inventory Management and Buying Analytics, er wechselt vom Off-Price-Händler BestSecret.
Auch auf der Finanzseite wurden Posten neu besetzt. Peek & Cloppenburg Österreich holt zum 1. September Radu Stoica als Managing Director Finance von Deichmann, er folgt auf den interimistisch tätigen Christian Sailer. Bei Kontoor Brands erhält Finanzchef Joseph Alkire als President zusätzlich die globale Verantwortung für Wrangler und behält die Zuständigkeit für Helly Hansen.
An der Spitze der dänischen Outerwear-Marke Rains steht künftig Tom Bettinson. Er folgt auf Mitgründer Daniel Brix Hesselager, der nach der jüngsten Transformationsphase in den Bereich Business Development wechselt.
Zwei Personalien betreffen den Aufbau interner Strukturen. Das Karo Kauer Label berief Isabell Manz zur Head of People and Business Development und legt damit zwei Bereiche zusammen, die Managerin war zuvor rund 18 Jahre bei Hugo Boss. Der Metzinger Konzern selbst verliert seinen Head of Innovation. Christian Kuhn verlässt Hugo Boss nach gut vier Jahren und damit auch die Modebranche.
Einen Branchenwechsel vollzieht auch Till Jagla. Der Gründer der Sneaker-Marke Flowers for Society und langjährige Adidas-Manager wurde zum Chief Brand Officer der Schweizer Blackroll AG berufen, wo er die Markenidentität und die strategische Ausrichtung verantwortet.
Einzelhandel
Ein Berliner Händler zieht Konsequenzen aus dem nachlassenden E-Commerce-Schub. Voo Store stellt den eigenen Onlineshop ein, weil sich der Betrieb mit eigenem Team wirtschaftlich nicht mehr trage, wie Geschäftsführer Ozan Akcay erklärte. Die Website bleibt online und soll künftig zeigen, was frisch im stationären Store eingetroffen ist.
Gegenläufig entwickelt sich das stationäre Geschäft bei On. Der Schweizer Sportartikelhersteller eröffnete an der Kopenhagener Købmagergade seinen ersten eigenen Store in Dänemark, der auf 350 Quadratmetern auch als Anlaufpunkt für die lokale Laufszene dienen soll.
Wachsende Verluste durch Ladendiebstahl beschäftigen unterdessen Handel und Polizei. Der HDE und die Gewerkschaft der Polizei fordern in einem gemeinsamen Positionspapier Schwerpunktanwaltschaften, Rechtssicherheit bei der Videoüberwachung und eine konsequentere Strafverfolgung. Der jährliche Schaden für den Einzelhandel wird darin auf rund drei Milliarden Euro beziffert.
Dieser Beitrag wurde mithilfe von KI erstellt.
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