Wochenrückblick: Restrukturierung, Couture-Debüts und starke Quartale
Hugo Boss empfahl seinen Aktionär:innen in dieser Woche, das Übernahmeangebot der Frasers Group nicht anzunehmen, während Pierpaolo Piccioli in Paris sein Haute-Couture-Debüt für Balenciaga zeigte. Zudem gab es Restrukturierungsneuigkeiten: Die französische Marke Marine Serre sucht im Insolvenzverfahren nach Investor:innen, der Lederwaren-Spezialist Picard saniert sich in Eigenverwaltung. Levi Strauss und die Uniqlo-Mutter Fast Retailing hoben dagegen nach starken Quartalen ihre Jahresprognosen an.
Business
Der Übernahmepoker um Hugo Boss geht in die nächste Runde: Der Metzinger Modekonzern hält die Offerte des Großaktionärs Frasers Group für nicht ausreichend und empfiehlt seinen Aktionär:innen, das Angebot nicht anzunehmen. Der gebotene Preis von 38 Euro je Aktie spiegele den eigenständigen Wert und das Wertschöpfungspotenzial des Unternehmens nicht angemessen wider.
Bei den Geschäftszahlen überwogen die positiven Nachrichten. Die Uniqlo-Mutter Fast Retailing steigerte ihren Betriebsgewinn im dritten Quartal um 45,7 Prozent auf umgerechnet 1,2 Milliarden Euro und hob ihre Gewinnprognose an. Auch Levi Strauss übertraf mit einem Umsatzplus von acht Prozent auf 1,56 Milliarden US-Dollar erneut die Markterwartungen und erhöhte seine Jahresprognosen ein weiteres Mal. Tom Tailor verbesserte 2025 bei 582 Millionen Euro Umsatz seine Profitabilität und verlängerte die Finanzierung bis 2028. Verhaltener fiel die Bilanz bei Fielmann aus: Die Optikerkette wuchs im ersten Halbjahr dank des internationalen Geschäfts um zwei Prozent auf 1,25 Milliarden Euro, wird angesichts der mauen Konsumstimmung in Deutschland aber vorsichtiger. Beim Schmuckfilialisten Bijou Brigitte ging der Halbjahresumsatz um 0,9 Prozent auf 153,3 Millionen Euro leicht zurück.
Weniger gut lief es für Marine Serre: Die für ihr Mondsichel-Logo bekannte französische Marke befindet sich laut einem Medienbericht in einem Insolvenzverfahren und sucht nach Investor:innen, um den Geschäftsbetrieb fortzusetzen. Der deutsche Lederwaren-Spezialist Picard saniert sich derweil in einem Eigenverwaltungsverfahren, das bis zum Herbst abgeschlossen sein soll. Für das Zalando-Logistikzentrum in Erfurt, dessen Schließung 2.100 Beschäftigte trifft, wurde nach monatelangem Ringen ein millionenschwerer Sozialplan abgeschlossen – die Finanzierung einer Transfergesellschaft lehnte das Unternehmen jedoch ab.
Strategische Einblicke gaben zwei Interviews: Pas Normal Studios-Geschäftsführer Peter Lange erklärte, warum der Radsport trotz Kollaborationen wie jener mit Salomon der Hauptfokus der dänischen Marke bleibt und wie das angestrebte zweistellige Wachstum gelingen soll. Drykorn-Gründer Marco Götz sprach über wachsende Auslandsmärkte, den Wandel in der Konfektion und die neue Doppelspitze mit Marino Edelmann.
Der Topmanager Daniel Schmidt gründete nach Stationen bei S.Oliver und PVH die eigene Vertriebsplattform Seven8six, und die Verbundgruppe Sport 2000 führte eine neue Organisationsstruktur mit sechs übergreifenden Gremien ein, um Entscheidungen zu beschleunigen. Im Luxussegment schlossen Gucci und L'Oréal ein Lizenzabkommen über 50 Jahre für Parfums und Kosmetika, das die bisherige Vereinbarung mit Coty ablöst.
Mode
Die Haute-Couture-Woche in Paris lieferte gleich mehrere Debüts. Pierpaolo Piccioli zeigte seine erste Couture-Kollektion für Balenciaga voller Referenzen an die Geschichte des Hauses. Matthieu Blazy präsentierte für Chanel eine märchenhafte Kollektion, die vom Leben Gabrielle Chanels inspiriert ist, und Fendi feierte in Rom die erste Couture-Show unter Maria Grazia Chiuri – in Schwarz und Creme und mit einer Hommage an Karl Lagerfeld. Einen Überblick über textile Innovationen, pflanzliche Inspirationen und die Stars der Woche bietet der Rückblick auf die Couture-Schauen. Für die kommende Saison kündigte sich bereits der nächste Höhepunkt an: Hermès wird im Januar 2027 mit einer Kollektion von Nadège Vanhée erstmals am offiziellen Couture-Programm teilnehmen.
Auch abseits der Laufstege sorgte Paris für Schlagzeilen: Der öffentlichkeitsscheue Designer Martin Margiela versteigert Teile seines persönlichen Archivs, darunter Skizzen und Arbeitskittel. Wie wertvoll Prominenz für Marken sein kann, zeigte die Hochzeit von Taylor Swift: Ihr Hochzeitskleid von Dior brachte dem Haus laut Launchmetrics auch ohne veröffentlichte Bilder einen Medienwert von 15 Millionen US-Dollar ein.
Zwei Kollaborationen setzten Akzente: Birkenstock interpretiert gemeinsam mit der französischen Tanzmode-Marke Repetto drei emblematische Modelle neu, und das Münchner Luxuslabel MCM feiert sein 50. Jubiläum mit einer limitierten Kapselkollektion mit DJ Khaled und dessen Marke We The Best. Einen Blick nach vorn wirft die Trendanalyse zum „Miximalismus“: Für Frühjahr/Sommer 2027 zeichnet sich eine vielschichtigere, bewusst eklektische Interpretation des Maximalismus ab.
Die Berlin Fashion Week ging mit einem starken Finale zu Ende. Die Highlights der Saison bewegten sich zwischen Utopie und Dystopie und zeigten, dass sich die Veranstaltung zunehmend als international relevanter Standort für Nachwuchstalente etabliert. Der Abschlusstag brachte mit Shows von Martin Quad über John Lawrence Sullivan bis GmbH noch einmal internationale Namen und Berliner Platzhirsche zusammen. Experimentierfreude bewiesen auch die Besucher:innen selbst, wie die SS27-Streetstyles von locker-lässig bis Avantgarde zeigten.
Personalien
Der schweizerische Sportartikelanbieter On strukturiert seine globale Vertriebsorganisation neu: Rebecca Cai übernimmt zum 1. September die neu geschaffene Position der Chief Global Markets Officer, Alice Delahunt wird Chief Customer Officer. Auch die H&M Group besetzte eine Schlüsselposition und ernannte mit Henrik Kroon einen langjährigen Mitarbeiter zum Chief Commercial Officer.
In Deutschland verliert Takko Fashion seinen Finanzchef Stefan Macheleidt, der das Unternehmen aus persönlichen Gründen verlässt; Tobias Merz übernimmt kommissarisch. Adidas berief Claus-Peter Mayer zum General Manager Central Europe – er folgt zum 1. September auf Marina Moguš und übernimmt damit auch die Leitung für den deutschen Markt. Bei Ernsting's Family gehen zwei Führungskräfte in den Ruhestand, die Nachfolge in der Geschäftsführung ist mit Stephan Harms als neuem Beschaffungschef bereits geregelt.
Gleich drei Vertriebsposten wurden neu besetzt: Der Damenmode-Anbieter Kennys ernannte Marc Oswald zum Vertriebsleiter für die DACH-Region, bei Camel Active verantwortet Daniela Wittwer seit dem 1. Juni als Head of Sales Womenswear den Vertrieb der Damenmode in der DACH-Region, und der Menswear-Spezialist Digel verstärkt sich mit Jan Spangenberg als Area Sales Manager für Bayern.
Einzelhandel
Das Berliner Streetwear-Label Wrstbhvr eröffnete in seiner Heimatstadt einen neuen Flagship-Store in Berlin-Mitte.
Die Konjunkturdaten der Woche zeichneten ein gemischtes Bild. Das HDE-Konsumbarometer signalisiert eine weitere Erholung der Verbraucherstimmung im Juli. Der Bevh meldete, dass der deutsche Onlinehandel im zweiten Quartal nicht zuletzt dank guter Bekleidungsgeschäfte weiter Fahrt aufnimmt. Deutlich skeptischer fällt die Jahresstudie des Händlerbunds aus, die eine eingetrübte Stimmung unter den E-Commerce-Händler:innen dokumentiert.
Messen
Die Messe Frankfurt stellte mit Value Milan eine neue Sourcing-Plattform in Mailand vor, die im Februar Premiere feiert und unter anderem vom türkischen Branchenverband ITKIB unterstützt wird. Optimistische Töne kamen aus Amsterdam: Auf der Modefabriek präsentierten die Marken für SS27 Kollektionen mit leuchtenden Farben, auffälligen Accessoires und neuen Silhouetten – Mode darf wieder Spaß machen.
Dieser Beitrag wurde mithilfe von Künstlicher Intelligenz erstellt.
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