Abschied bei Saint Laurent, Rekordzahlen für Uniqlo und der Rock als Star der Modewochen – was die Woche bewegte
Die Woche steht im Zeichen von Führungswechseln und den Modewochen für Frühjahr/Sommer 2027. Saint Laurent bestätigte den Abschied von Anthony Vaccarello nach zehn Jahren, Lacoste trennte sich überraschend von Geschäftsführer Éric Vallat und holte Thierry Guibert zurück. Auf den Laufstegen in Mailand und Paris rückte der Rock ins Zentrum: Prada widmete ihm die gesamte Kollektion mit 63 Looks, Saint Laurent setzte unter dem Eiffelturm auf ein fast durchgehend goldenes Finale der Ära Vaccarello. Im Business wurde Anta Sports mit 29,06 Prozent größter Aktionär von Puma, und Fast Retailing meldete dank des starken Auslandsgeschäfts von Uniqlo das fünfte Rekordjahr in Folge, während Galeria zum vierten Mal innerhalb von sechs Jahren einen Insolvenzantrag gestellt hat.
Business
Beim Warenhauskonzern Galeria haben am Freitag zwei weitere Gesellschaften Insolvenz beantragt. Sie betreiben 39 Restaurants und 21 Lebensmittelmärkte, und es sind rund 1.600 Beschäftigte betroffen. Für die rund 12.000 Beschäftigten der 83 Filialen hat der vorläufige Insolvenzverwalter Frank Kebekus Insolvenzgeld beantragt. Es könnte gezahlt werden, weil die Geschäftstätigkeit auf eine Gesellschaft übertragen wurde, die nicht in der Planüberwachung ist. Die Ursachen für den vierten Insolvenzantrag seit 2020 reichen von der Signa-Pleite über Mietrückstände bis zu einem Modesortiment, das Fachleuten zufolge nicht mehr wettbewerbsfähig ist. Auch das Biberacher Modehaus Keller-Warth hat Insolvenz angemeldet; die 14 Stores bleiben vorerst geöffnet, ein Sanierungsplan liegt laut Medienberichten vor.
Anta Sports hat den Anteil von 29,06 Prozent von der Investmentholding Artémis für rund 1,5 Milliarden Euro übernommen. Puma bleibt ein unabhängig geführtes Unternehmen, steckt aber mitten in der Restrukturierung: Im zweiten Quartal sanken die Erlöse um knapp zehn Prozent auf knapp 1,7 Milliarden Euro, und 1.400 Stellen sollen wegfallen.
Fast Retailing steigerte den Konzernumsatz im Geschäftsjahr 2025/26 um 16,6 Prozent auf 3,96 Billionen Yen (22,4 Milliarden Euro) und das Betriebsergebnis um 31,7 Prozent. Uniqlo International wuchs um 26,2 Prozent; für das laufende Jahr prognostiziert der Konzern einen Umsatz von 4,45 Billionen Yen. Weniger Begeisterung löste die erste Kollektion von John Galliano für Zara aus: Die Aktie von Inditex gab eine Woche nach dem Start um 1,07 Prozent auf 53,34 Euro nach. Die Investmentbank Jefferies hält dennoch an ihrer Kaufempfehlung fest und sieht ein Umsatzpotenzial von rund 100 Millionen Euro durch die Kollektion.
Zalando automatisiert die Retourenabwicklung in den Logistikzentren Greven und Świebodzin mit einem KI-basierten Robotersystem des Stuttgarter Unternehmens Sereact. Das Projekt soll die Anfangsphase einer europaweiten Ausweitung sein. Nach der Schließung des Logistikzentrums in Erfurt Ende September sind rund 1.700 ehemalige Beschäftigte als arbeitssuchend gemeldet. Die Agentur für Arbeit hält es für realistisch, binnen sechs Monaten ein Drittel zu vermitteln.
Die Umsätze von Shein, Temu und AliExpress in Deutschland sind im dritten Quartal um 35,5 Prozent auf 566 Millionen Euro eingebrochen. Der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel führt das auf den Wegfall der Zollfreigrenze im Juli zurück; der Marktanteil sank von 5,3 auf 3,1 Prozent. Der gesamte Onlinehandel wuchs im selben Zeitraum nur um 2,9 Prozent.
Bei den Marken setzt Moose Knuckles auf den Ausbau des Einzelhandels. Geschäftsführerin Ellen Kinney betreibt fast 50 Stores weltweit, hat im September in Chicago, Berlin und Macau eröffnet und plant ein Flagship in Shanghai. Das Sortiment soll zudem ein ganzjähriges Geschäft tragen. Xandres wächst unter Geschäftsführer Willem Wijnen in den Niederlanden um 27 Prozent und startet am 1. Dezember mit ausgewählten Premium-Boutiquen in Deutschland. Die Betty Barclay Group bringt mit Public eine neue Womenswear-Marke im höherpreisigen Segment an den Start, die Orderrunde für Herbst/Winter 2027 beginnt im Januar 2027.
Ein Risiko jenseits der Märkte beschreibt ein Gastbeitrag: Die Modebranche unterschätzt laut dem Autor, wie stark die Natur als Lieferkettenrisiko auf Baumwolle, Wolle und Leder durchschlägt. Das Apparel Impact Institute schätzt, dass Marken bei den derzeitigen Trends bis 2030 einen Gewinneinbruch von mehr als 30 Prozent erleiden könnten.
Mode
Die Looks der Frühjahr/Sommer-Saison 2027 stehen im Zeichen des Rocks. Auf der Mailänder Modewoche widmeten Miuccia Prada und Raf Simons ihre gesamte Kollektion mit 63 Looks dem Rock. Laut dem Überblick über die Damenmodetrends kommen modulare Mode, sichtbare BHs, sanfte Farbtöne und der Puff-Effekt hinzu. In Paris stand weniger das Neue als die Weiterentwicklung bekannter Codes im Mittelpunkt: Auf der Pariser Modewoche bauten Jonathan Anderson bei Dior und Matthieu Blazy bei Chanel ihre Handschrift aus, während die Belgierin Julie Kegels nach dem LVMH-Preis mit Gewichten in den Stoffen die Schwerkraft thematisierte.
Bei den Kollaborationen entwickeln der britische Modehändler End. und das Kopenhagener Label Samsøe Samsøe eine 24-teilige Capsule Collection als „Shared Wardrobe“ für Damen, Herren und Unisex, erhältlich ab 9. Oktober. Ganni und Lululemon bringen Mitte Oktober eine 22-teilige Kollektion heraus, inspiriert von der Tanzkultur der 1980er-Jahre.
Das Hamburger Label Ain Amor wurde im November 2025 gegründet und wird von der rumänischen Produktionsfirma Texdata finanziert. Kreativdirektorin Sophia Lewis, zuvor rund 24 Jahre bei Closed, setzt auf saisonlose Kollektionen auf Vorbestellungsbasis und bereitet den Einstieg in den US-Markt vor.
Personalien
Gleich zwei große Häuser tauschen ihre Führung. Saint Laurent bestätigte am Freitag den Abschied von Anthony Vaccarello nach zehn Jahren; die neue kreative Leitung soll in Kürze folgen. Lacoste hat sich von Geschäftsführer Éric Vallat getrennt, es übernimmt wieder Thierry Guibert, der das Unternehmen bereits rund zehn Jahre geleitet hatte.
Auch bei Sport- und Lifestyle-Marken gibt es Wechsel. Lululemon ernennt Maggie Gauger zur Präsidentin und Produktchefin sowie Joseph Godsey zum operativen Leiter, beide starten am 26. Oktober. Nike macht Michael Hunter, bisher in Kanada, zum Leiter des Japan-Geschäfts. Dr. Martens holt Kate Vacovec von Yum! Brands als Finanzleiterin für das globale Handelsgeschäft. Golden Goose benennt den früheren Burberry-Manager Giorgio Belloli zum Verantwortlichen für das Kundengeschäft.
Im deutschen Handel übernimmt Christian Lampe von MediaMarktSaturn die Leitung des Standorts Leer bei Leffers; sein Vorgänger Felipe Schmitz soll Anfang kommenden Jahres Geschäftsführer des Unternehmens werden. Der frühere Liberty-Geschäftsführer Kevin Ziegler ist seit September Vertriebs- und Geschäftsentwicklungsleiter bei Roeckl.
Einzelhandel
Massimo Dutti hat im historischen Palazzo Ruspoli in Rom auf mehr als 2.000 Quadratmetern eröffnet, mit Parfümerie und Buchhandlung. Der Herrenausstatter Anson's hat am Sonntag seinen 23. Standort im Westfield Centro Oberhausen bezogen, auf den Flächen der insolventen Kette Wormland.
Der Strickspezialist Maerz Muenchen eröffnet am 14. Oktober einen Flagship-Store in München. Außerdem entstehen Shop-in-Shop-Flächen bei Braun in Moers und Baltz in Bochum sowie Pop-ups unter anderem bei Breuninger und Leffers.
Primark richtet im Rahmen der Initiative „Mom's Room“ schrittweise Stillkabinen in 26 deutschen Filialen ein. Anlass ist eine Befragung, nach der mehr als die Hälfte der Mütter ein fehlender ruhiger Ort beim Einkauf bereits eingeschränkt hat.
Dämpfer gibt es vor dem Weihnachtsgeschäft: Das Konsumbarometer des Handelsverbands Deutschland ist im Oktober gesunken. Höhere Energie- und Spritpreise sowie Inflationsängste belasten die Stimmung.
Kultur
Zalando veranstaltet am 24. und 25. April 2027 erstmals das Festival „Access All Areas“ in Berlin und erwartet bis zu 40.000 Besucher. 14 Partnermarken, darunter Adidas, Nike und Calvin Klein, zeigen Produkt-Drops, die Sängerin RAYE tritt als Headlinerin auf.
Camper feiert sein 50-jähriges Bestehen mit dem 452-seitigen Band „The Walking Society. Now More Than Ever!“. Das Buch zeigt auch Projekte, die nie in den Handel kamen, und kostet 35 Euro.
Dieser Beitrag wurde mithilfe von KI erstellt.
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