Jahresrückblick 2016 – Teil 1

Konsumflaute, Pleiten, geplatzte Träume – Jubelmeldungen aus der Modebranche waren in Deutschland auch 2016 kaumt zu vernehmen. Die eigentlich glänzende Kauflaune der Verbraucher kam bei den Bekleidungsanbietern einfach nicht an. Das wurde zahlreichen Führungskräften und einigen Unternehmen zum Verhängnis. So wurde es ein Jahr der Umbrüche: Allenthalben gab es neue Chefs, neue Designer und neue Strategien. In unserem Jahresrückblick lassen wir noch einmal einige der wichtigsten Ereignisse Revue passieren.

Januar: Berliner Messen weiter auf Erfolgskurs

Wie üblich stand Berlin Ende Januar im Fokus der internationalen Modebranche. Auch ohne die Bread & Butter, die in der vorigen Sommersaison noch einmal erfolglos einen Neustart versucht hatte, wurde die Fashion Week zum Erfolg. Neben der Panorama lag das vor allem an den Messen der Premium Group.. Die Hauptveranstaltung Premium verbuchte eine Besucherplus von zehn Prozent, die auf Männermode und Streetwear spezialisierten Töchter Seek und Bright fanden ebenfalls großen Zuspruch. Im handwerklich hochwertigen Menswear- und Denim-Segment entwickelte sich die Selvedge Run mit ihrem hochspezialisierten Portfolio zu einer festen Adresse: Nach dem überschaubaren Debüt in der Vorsaison bezog sie größere, zentralere Räumlichkeiten, erweiterte ihr Ausstellerportfolio und zog weitaus mehr Besucher an.

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Februar: Die Revolution nimmt Fahrt auf – auch Burberry setzt auf „See now, buy now“-Konzept

Jahrzehntelang waren die Abläufe in der Modebranche wie in Stein gemeißelt: Die Kollektionen wurden auf Modenschauen und Messen einem handverlesenen Fachpublikum präsentiert, danach wurde geordert und produziert, und einige Monate später kamen dann endlich auch die Kunden zum Zuge. Inzwischen scheint das nicht mehr zeitgemäß: Potenzielle Käufer wollen sofort zugreifen, wenn sie die glamourösen Bilder von den Schauen gesehen haben. Darauf reagieren immer mehr Unternehmen, in dem sie die neuen Teile direkt in den Handel bringen. Im Februar kündigte auch das britische Luxusmodehaus Burberry an, das „See now, buy now“-Modell einzuführen. „Unser Ziel ist, eine engere Verbindung zwischen dem Erlebnis der Runway-Shows und dem Zeitpunkt herzustellen, an dem die Menschen die realen Produkte selbst entdecken können“, erläuterte CEO Christopher Bailey.

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März: Steilmann meldet Insolvenz an

2016 war das Jahr der Pleiten in der deutschen Bekleidungsbranche. Im März erwischte es den Textilkonzern Steilmann. Der hatte erst im vergangenen Oktober den Schritt an die Börse gewagt. Schon der Börsengang war alles andere als reibungslos verlaufen, wenige Monate später musste das Unternehmen angesichts weiterhin schwacher Geschäfte Insolvenz anmelden. In den folgenden Monaten wurden wesentliche Teile des Konzerns scheibchenweise verkauft. Das Label Steilmann wird aber erhalten bleiben: Im November erwarb der Bekleidungshändler Adler, an dem Steilmann eine Anteilsmehrheit gehalten hatte, die Markenrechte.

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April: Calvin Klein lässt kreative Köpfe rollen

Diverse politische und wirtschaftliche Krisen sowie tiefgreifende Wandlungen im Kundenverhalten machten auch vor den Kreativen nicht halt. Viele namhafte Modeunternehmen wechselten daher 2016 ihre Chefdesigner. Die Gründe waren vielfältig, oft gab es angesichts von wirtschaftlich notwendigen Kurswechseln strategische Differenzen zwischen der Geschäftsführung und der Entwurfsabteilung. So schlug im April auch das US-Modehaus Calvin Klein neue Wege ein. Leidtragende waren die Topdesigner Francisco Costa (Womenswear) und Italo Zucchelli (Menswear), die ihre Posten verloren. Das Unternehmen kündigte an, die zahlreichen Linien „unter einer kreativen Vision vereinigen“ zu wollen. Einen entsprechend prominenten Kandidaten hatte das Unternehmen schon in der Hinterhand. Der belgische Superstar Raf Simons konnte aber aus vertraglichen Gründen erst Anfang August offiziell als kreativer Generalverantwortlicher von Calvin Klein vorgestellt werden.

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Mai: Hugo Boss mit neuem Chef

Einiges war beim Metzinger Modekonzern Hugo Boss schief gelaufen. Weder die kostspieligen Expansionspläne in den USA und China noch der Ausbau der Damenmodesparte hatten die gewünschten Resultate gebracht. Außerdem hatte die Marke ihr klares Profil verloren: Einerseits war in Asien der Aufstieg ins Luxussegment angepeilt worden, andererseits mussten weltweit aufgrund mangelnder Nachfrage immer mehr Produkte zum Saisonende verramscht werden. Schwache Zahlen waren die Folge, die Aktie verlor innerhalb weniger Monate mehr als die Hälfte ihres Wertes. Das bedeutete schließlich das Aus für Vorstandschef Claus-Dietrich Lahrs, der den Konzern seit 2008 geführt hatte. Einen Nachfolger fand der Konzern intern: Finanzchef Mark Langer (Foto) wurde im Mai zum neuen CEO gekürt. Der kündigte den Abschied von einigen hochfliegenden Visionen an, um das Unternehmen wieder klarer zu positionieren. Lahrs blieb nicht lange beschäftigungslos: Anfang Oktober wurde er als neuer CEO des italienischen Luxuslabels Bottega Veneta vorgestellt.

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Juni: Frühstart in Berlin

Schon wieder Fashion Week in der deutschen Hauptstadt: Die Sommerveranstaltung wurde im Vergleich zu den vergangenen Jahren ein wenig vorgezogen, um Terminkollisionen mit anderen internationalen Modeveranstaltungen zu vermeiden. So ging es schon Ende Juni los. „Mit dem früheren Termin können wir dieses Jahr Einkäufer aus wichtigen Auslandsmärkten noch gezielter ansprechen und nach Berlin holen“, erläuterte die damalige Berliner Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer. Während die Messen weiter dynamisch wuchsen, gab es auf den Laufstegen der Mercedes-Benz Fashion Week allerdings wieder einmal weitgehend Gewohntes zu sehen. Nur das Berlin-Debüt des international hoch geschätzten Labels Odeeh sorgte für größeres Aufsehen. Kritik gab es an der Hauptlocation: Wie schon vor zwei Jahren musste der Laufsteg am Brandenburger Tor der Fußball-Fanmeile weichen und ins Erika-Heß-Eisstadion ziehen. Das kam beim Fashionpublikum aber so schlecht an, dass die Organisatoren im kommenden Januar mit dem ehemaligen Kaufhaus Jandorf im Stadtteil Mitte ganz neue Räumlichkeiten ausprobieren wollen.

Den Rückblick auf die zweite Jahreshälfte können Sie am morgigen Dienstag lesen.

Fotos: FashionUnited, Burberry, Steilmann, Calvin Klein, Hugo Boss, Getty Images