Jahresrückblick 2018 – Teil 2

Wieder endet ein ereignisreiches Jahr für die Modebranche. Gerade in Deutschland war es nicht unbedingt ein erfreuliches. Das Lag nicht nur daran, dass viele Unternehmen weiter mit den gravierenden Veränderungen des Marktes zu kämpfen hatten. Auch widriges Wetter – vor allem der ungewöhnlich lange und warme Sommer – belasteten die Geschäfte. Doch es gab natürlich auch Lichtblicke.

Auf einige der wichtigsten Ereignisse schauen wir noch einmal in unserem Jahresrückblick. Heute geht es um die Monate Juli bis Dezember, die erste Jahreshälfte finden Sie hier.

Juli: Berlin Fashion Week: Vielfalt auf den Laufstegen, Konzentration bei den Messen

Der Terminkalender der Berliner Modewoche erinnert inzwischen wieder an die Anfangsjahre: Nachdem die Mercedes-Benz Fashion Week mehr als ein Jahrzehnt lang als Modenschau-Veranstalter dominiert hatte, prägen nun erneut viele individuelle Shows das Bild. Als ein Mosaiksteinchen hat sich die MBFW etabliert: Die kleinere Nachfolgerin der Mercedes-Benz Fashion Week ging nach der Premiere im Januar in die zweite Runde. Daneben ist der Berliner Salon weiter eine feste Größte: Mit seiner Gruppenschau liefert er Saison für Saison ein stimmiges Panorama hochwertiger deutscher Designerlabels, außerdem veranstaltet er seine eigenen Modenschauen. Hinzu kommen die individuellen Events einzelner Unternehmen. So präsentierte der Metzinger Modekonzern Hugo Boss die Kollektion seiner Zweitlinie Hugo vor großem Publikum in einer ehemaligen Industriehalle am Stadtrand.

Auf den Messen herrschte zwar gute Stimmung, aber etwas weniger Andrang als zuletzt. Zudem galt es, von einigen altbekannten Veranstaltungen Abschied zu nehmen. So fanden die beiden Ökomode-Messen Green Showroom und Ethical Fashion Show zum letzten Mal statt: Im kommenden Januar fusionieren sie zum neuen Format „Neonyt“.

Verzichten müssen die Besucher demnächst auch auf die Skatewear-Messe Bright: Der Eigentümer, die Premium Group, hat ihr in der kommenden Saison eine Pause verordnet. Nachdem die Gründer im Frühjahr ihren Ausstieg erklärt hatten, erhielt die Veranstaltung bereits im Sommer ein neues Konzept: Der B2B-Bereich fiel deutlich kleiner aus, dafür wurde ein Großteil der Hallen für die Öffentlichkeit freigegeben. Im Januar wird die Messe nun pausieren, in welcher Form sie wieder zurückkehren könnte, ist noch offen.

Im Rahmen des laufenden Konzentrationsprozesses in der Berliner Messelandschaft büßte auch die Selvedge Run ihre Unabhängigkeit ein: Die kleine Fachmesse für Traditionslabels und handwerklich orientierte Marken erlebte im Juli ihre letzte Saison als eigenständige Veranstaltung, im September wurde sie von der Panorama übernommen. Beide Veranstaltungen hatten in den vergangenen beiden Saisons bereits eng zusammengearbeitet, im kommenden Januar soll die Selvedge Run nun ein „integraler Bestandteil“ der Panorama werden und im Foyer der Großmesse ihren Platz finden.

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August: Heißer Sommer lässt auch Zalando schwitzen

Mit den Folgen des ungewöhnlich heißen Sommers hatte die gesamte Branche zu kämpfen. Zu spüren bekamen das nicht nur traditionelle Bekleidungshändler, sondern auch innovative E-Commerce-Spezialisten wie der Berliner Online-Modehändler Zalando. Schon in den Sommermonaten blieben die Geschäfte hinter den Erwartungen zurück. Eine im August veröffentlichte vorsichtigere Jahresprognose ließ den Aktienkurs abrutschen.

Im Herbst wurde es nicht besser: Weil der Sommer nicht nur wärmer war als üblich, sondern auch noch deutlich länger dauerte, misslang der traditionelle Saisonwechsel zur Herbst-Winter-Ware. Angesichts der anhaltenden Hitze mochte im August und September kaum jemand warme Kleidung kaufen. Im September musste Zalando daraufhin eine Gewinnwarnung abgeben, was den Wert der Aktien erneut empfindlich fallen ließ. Im November folgten dann wiederum enttäuschende Quartalszahlen. „Ganz klar nicht zufrieden“ zeigte sich die Geschäftsführung seinerzeit mit den aktuellen Resultaten. Die Umsatzerwartungen für das gesamte Geschäftsjahr wurden daraufhin weiter zurückgeschraubt. So war es für die Anleger von Zalando eine unerquickliche Jahreshälfte: Seit Juli verlor die Aktie knapp sechzig Prozent ihres Wertes.

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September: Zara-Mutter Inditex geht in die Online-Offensive

Obwohl nicht alle Online-Händler die Erwartungen erfüllen konnten: Die Digitalisierung war auch 2018 eines der wichtigsten Themen in der Bekleidungsbranche. Im Internet sind schließlich noch Wachstumsraten zu erzielen, die das Stationärgeschäft längst nicht mehr hergibt. Die traditionelle Anbieter haben die Aufholjagd inzwischen aufgenommen. Vorne dabei ist der spanische Inditex-Konzern mit dem populären Filialisten Zara. Der hat schon vor Jahren damit begonnen, digitale Innovationen umzusetzen und das Online-Geschäft kräftig auszubauen. Im September kündigte Inditex den nächsten großen Sprung an: Die Produkte aller Konzernmarken sollen bis 2020 überall auf der Welt in eigenen Online-Stores erhältlich sein. Bis zum November wurde bereits die E-Commerce-Präsenz von Zara um 106 neue Märkte erweitert, in denen das Konzept noch nicht mit eigenen Läden vertreten ist. Nun sind Zara-Produkte in 202 Ländern erhältlich – in mehr als der Hälfte davon nur über das Internet.

Dass die Digitalisierung nicht nur den Online-Vertrieb, sondern nahezu alle Abläufe im Bekleidungshandel betrifft, hatte Inditex ebenfalls früher realisiert als viele Konkurrenten: Der Konzern setzte neue Technologien auch zur Flexibilisierung der Logistik und für neue Service-Angebote in den Filialen ein. Die meisten Wettbewerber sind längst noch nicht so weit. Der schwedische Konzern Hennes & Mauritz, der zwischenzeitlich deutlich an Boden auf die Spanier verloren hatte, versucht derzeit, mit einem kostspieligen Innovationsprogramm seinen Rückstand wieder zu verringern.

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Oktober: Krise bei Gerry Weber spitzt sich zu

Die Lage beim Bekleidungskonzern Gerry Weber ist schon länger nicht mehr sonderlich rosig. Im Wettbewerb mit Online-Versendern, Fast-Fashion-Anbietern und prestigeträchtigen Luxusmarken tat er sich wie viele andere Unternehmen aus dem mittleren Segment zunehmend schwerer – und musste ein Sanierungsprogramm nach dem anderen auflegen. Im Oktober zog das Unternehmen personelle Konsequenzen: CEO Ralf Weber gab seinen Rücktritt bekannt. Anfang November wechselte er in den Aufsichtsrat und ersetzte dort seinen Vater, den Unternehmensgründer Gerhard Weber. Damit ist die Familie nun erstmals nicht mehr am operativen Geschäft beteiligt.

Angesichts der prekären finanziellen Situation musste der Konzern ein Sanierungsgutachten in Auftrag geben und im Dezember vorgelegt wurden: Demnach sank der Umsatz um zehn Prozent, der Betriebsverlust belief sich auf rund 148 Millionen Euro. Jetzt gilt es für Gerry Weber erst einmal, bis Ende Januar ein neues Finanzierungskonzept auf die Beine zu stellen.

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November: Karstadt und Kaufhof fusionieren

Die sogenannte „Deutsche Warenhaus AG“ war jahrelang eine Vision in der deutschen Einzelhandelsbranche gewesen. Gemeint war der Zusammenschluss der beiden Traditionsunternehmen Kaufhof und Karstadt. Nach langen Verhandlungen wurde die Fusion Ende November tatsächlich Realität: Der österreichische Karstadt-Eigentümer Signa und der kanadische Handelskonzern HBC, der Galeria Kaufhof erst 2015 übernommen hatte, einigten sich auf die Gründung eines entsprechenden Gemeinschaftsunternehmens. Neben Karstadt und Kaufhof wurden auch die übrigen europäischen Aktivitäten von HBC in das Joint Venture eingebracht.

Signa hält an der neuen Gesellschaft zwar nur 50,01 Prozent der Anteile, wird das Geschäft aber künftig fast im Alleingang bestimmen: Karstadt-Chef Stefan Fanderl leitet das Unternehmen, auch der Rest des Führungsteams kommt größtenteils vom Essener Einzelhändler. Das ist nachvollziehbar, war Galeria Kaufhof doch unter der Regie von HBC in den vergangenen Jahren tief in die Krise gerutscht. Für Roland Neuwald, den bisherigen CEO von Kaufhof, war daher kein Platz im neuen Unternehmen: Er scheidet mit Wirkung zum 31. Januar aus dem Unternehmen aus.

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Dezember: Weihnachtsgeschäft verläuft lange enttäuschend

Eigentlich sollte das Weihnachtsgeschäft für die deutschen Einzelhändler zum Triumph werden. Schließlich hatte der Branchenverband HDE angesichts der anhaltend guten Kauflaune im Land einen neuen Rekord prognostiziert: Erstmals sollte der Umsatz in den letzten beiden Monaten des Jahres die 100-Milliarden-Euro-Marke übertreffen. Doch in den ersten Adventswochen stellte sich Ernüchterung ein. Weil die Kundenfrequenzen in den Innenstädten weiter sanken, war die Mehrzahl der dort ansässigen Händler mit den Geschäften unzufrieden. Auch kleinere Unternehmen klagten über schwache Nachfrage. Erst kurz vor dem Fest registrierte der HDE einen Aufwärtstrend.

Ob die ambitionierten Umsatzziele der Branche im Endspurt noch erreicht wurden, muss sich zeigen. Zu verdanken hätte sie das nicht zuletzt den Online-Händlern: Die zeigten sich mit ihren Geschäften bereits überaus zufrieden, als viele stationäre Anbieter noch klagten, und verbuchten einmal mehr satte Zuwächse.

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Fotos: FashionUnited(3), Zalando, Inditex, Gerry Weber, Karstadt/Galeria Kaufhof

 

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