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Monatsrückblick: Nachhaltigkeit im April 2022

Von Simone Preuss

4. Mai 2022

Business

Bild: Human Material Loop

Am 22. April wurde wieder der Tag der Erde begangen, der zu einer Wertschätzung der Natur und zu einem Überdenken unseres Konsumverhaltens anregen soll. Auch die Modebranche hatte einige Initiativen entsprechend festgelegt, wie etwa die Veröffentlichung von Nachhaltigkeitsberichten bei H&M, Lenzing, Victoria’s Secret, Canada Goose und anderen. Aber auch sonst war im April viel los mit Studien, Recyclingbemühungen und Veranstaltungen. Eine Studie fand etwa heraus, dass Nachhaltigkeit das neue Statussymbol ist, während die MaterialDistrict-Messe in der ersten Aprilwoche das Potenzial menschlicher Abfälle in der Textilproduktion untersuchte. Ansonsten wurden auch in diesem Monat kreislauffähige Produkte und neue Resale-Plattformen vorgestellt.

Resale & Mieten

Mehr und mehr Marken und Einzelhandelsunternehmen erkennen den Wert des Wiederverkaufs an und starten entweder eigene Resale-Initiativen oder schließen sich Resale-Plattformen an. In diesem Monat kündigte der Metzinger Modekonzern Hugo Boss seine eigene Resale-Plattform “Hugo Boss Pre-Loved” für das dritte Quartal 2022 an.

Die dänische Damenmodemarke Ganni hat bereits in den Märkten Großbritannien, Dänemark, Norwegen und Schweden eine Resale-Plattform eingerichtet, auf der Kund:innen gebrauchte Modeartikel kaufen und verkaufen können. Louise Weiss, Mitbegründerin der Resale-Plattform für Kinderkleidung, Dotte, sprach im Interview mit FashionUnited über diesen weitgehend unerschlossenen Markt im Secondhand-Sektor.

Der französische Secondhand-Veteran Vestiaire Collective lieferte Beweise und untersuchte in einem neuen Impact Report, inwieweit Resale-Plattformen die Umweltschäden der Modeindustrie verringern können. Die Secondhandmode-Website ThredUp untersuchte unterdessen, inwieweit Festivalmode ein ökologischer Albtraum ist.

Im niederländischen Luxuskaufhaus De Bijenkorf kann man jetzt auch Kleidung mieten, ebenso bei Modehändler Clothes Friends, beim die geliehenen Kleidungsstücke später auch gekauft werden können. Die britische Miet-Plattform Hirestreet startete mit Marks & Spencer ihre bisher größte Kooperation mit einem Einzelhandelsunternehmen.

Marken und Greenwashing

Naturmodeanbieter Hessnatur brachte zusammen mit Onlinehändler AboutYou eine nachhaltige Kollektion heraus, während der Hamburger Versandhändler Otto eine kreislauffähige Kollektion vorstellte, für die recycelbare Textilien verwendet wurden. Bei Modeanbieter H&M gibt es seit Ende April eine Sonderkollektion aus recycelten Materialien und die finnische Athleisure-Marke Rens bietet ihren ersten veganen Hoodie an, der wie die Sneakers ebenfalls klimaneutral aus Kaffeesatz hergestellt wird und recycelten Kunststoff und Bambus-Viskose enthält. Kaffeesatz verwendet auch das niederländische Innovationsunternehmen Caffe Inc. für kreislauffähige Produkte. Bei den Schuhanbietern testete Puma seinen ersten biologisch abbaubaren Sneaker, während US-Lifestylemarke Timberland ein Rücknahmeprogramm für getragene Schuhe und Bekleidung startete.

Das Thema Greenwashing beschäftigte die Branche auch im April: Ein Bericht der Changing Markets Foundation (CMF) kam zu dem Ergebnis, dass freiwillige Zertifizierungsprogramme zum Greenwashing in der Modeindustrie beitragen können. Die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz reichte gar gegen den niederländischen Wäscheanbieter Hunkemöller Klage ein mahnte Popken Fashion und Fashion ID ab. Ein weiterer Bericht zeigte auf, wie durch den falschen Einsatz von Kennzahlen die Umweltauswirkungen der Mode nicht richtig eingeschätzt werden. Neue Vorschriften gegen Greenwashing treffen auch die Denim-Welt, und die Denim-Messe Kingpins widmete diesem Thema eine eigene Podiumsdiskussion.

Die Hilfsorganisation Fairtrade Deutschland fordert die EU auf, bei ihrer Nachhaltigkeitsstrategie im Textilbereich neben Umweltproblemen auch soziale und ökonomische Aspekte stärker zu berücksichtigen. „Kreislaufwirtschaft ist gut und richtig, aber eine Jeans, bei deren Herstellung Arbeiter:innen und Baumwollbäuer:innen ausgebeutet werden, wird nicht nachhaltig, nur weil sie recycelbar ist“, bemerkte Vorstand Claudia Brück.

Textilrecycling

China will den Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft in der Textilbranche beschleunigen: Bis 2025 soll laut der Nationalen Entwicklungs- und Reformkommission die Recyclingquote von Alttextilien 25 Prozent betragen. Im Nachbarland Indien wollen die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), Textilhersteller Concordia Textiles und der nachhaltigkeitsorientierte Projektentwickler Enviu in den nächsten drei Jahren eine kommerzielle Wertschöpfungskette für die Textilabfallbewirtschaftung schaffen und somit Indiens erstes kommerzielles Sortierzentrum für Textilabfälle aufbauen.

Eine Greenpeace-Recherche deckte unterdessen auf, wie Altkleiderexporte als Tarnung zur Entsorgung von Textilmüll in den Ländern des Globalen Südens dienen.

Veranstaltungen

Der Europäische Verband der Spezialdruckereien (ESMA) hat eine neue Konferenz für „Textile Printing and Sustainability“ (TPS) ins Leben gerufen, die am 8. und 9. September 2022 im Dorint Kongresshotel Düsseldorf-Neuss stattfindet. Diese richtet sich an alle, die sich mit Automatisierung, neuen Geschäftsmodellen und besten Umweltpraktiken für verschiedene Textilanwendungen beschäftigen wollen.

In nur wenigen Tagen wird auch die dritte Ausgabe des Sustainable Apparel Forums (SAF) beginnen, das von der Bangladesh Apparel Exchange organisiert wird. Es findet am 10. Mai 2022 in der International Convention City in Bashundhara, Dhaka, statt. Erwartet werden Teilnehmer:innen und Aussteller:innen aus mehr als 20 Ländern. Ziel der diesjährigen Veranstaltung ist es, Bangladesch als das weltweit verantwortungsvollste Sourcing-Ziel für Bekleidung zu etablieren.

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